Die Schule in dem Gemeinschaftszentrum auf Lesbos brannte am Sonnabend nieder. 
Foto: AFP/Louisa Gouliamaki

BerlinIn Chat-Gruppen deutscher Neonazis ist eine Mobilisierungskampagne für einen Einsatz in Griechenland angelaufen. Ausgangspunkt ist ein offenbar von der französischen Identitären Bewegung (IB) gestarteter Aufruf. Darin werden europäische Nationalisten dazu aufgefordert, Griechenland gegen muslimische Flüchtlinge zu verteidigen. Auf der Insel Lesbos sollen bereits Rechtsradikale aus Deutschland eingetroffen sein.

Wie groß das Kontingent aus deutschen und westeuropäischen Rechtsextremen auf Lesbos und an der griechisch-türkischen Grenze ist, lässt sich bislang kaum feststellen. Im Internet kursieren Aufnahmen von Zusammenstößen in der Hafenstadt Mytilini auf Lesbos vom vergangenen Freitag.

Darauf sind auch deutsche Rechte zu sehen, so etwa der NPD-Politiker Jonathan Stumpf aus dem baden-württembergischen Rhein-Neckar-Kreis. Die Fotos zeigen den am Kopf verletzten Stumpf in Begleitung des IB-Aktivisten Mario Müller, der aus Bremen stammt und in Halle den Identitären-Ableger „Kontrakultur“ leitete. Mit welchen Absichten die beiden nach Lesbos gereist sind, ist unklar.

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Zerstörung eines Gemeinschaftszentrums für Flüchtlinge

Der Spiegel hatte berichtet, dass es in den vergangenen Wochen auf der Insel immer wieder zu Gewalttaten von rechten Gruppierungen gekommen sei, auch zu Brandstiftungen. Jüngst wurde ein Gemeinschaftszentrum für Flüchtlinge auf Lesbos von einem Feuer uns bisher ungeklärten Ursachen teilweise zerstört. Das Gebäude mit Friseur, Café und Bibliothek liegt nahe der Flüchtlingsunterkunft Kara Tepe, wo rund 1500 Menschen leben.

Einem Bericht der Inselzeitung Sto Nisi zufolge hatten sich während des Feuers in der Anlage der Schweizer Organisation „One Happy Family“ auch deutsche Rechtsextremisten dort eingefunden. Dem Bericht zufolge sollen der rechte Blogger Oliver Flesch und zwei Begleiter dazugehört haben.  Die Rechten hätten demnach gegenüber Journalisten erklärt, die Gebäude seien deshalb niedergebrannt, weil sie einer Hilfsorganisation gehörten, die illegale Einwanderer aus der Türkei ins Land bringe.

Einige der Nationalisten haben wohl Kampferfahrung

In rechten Kreisen Westeuropas kursiert seit einigen Tagen ein angeblich von der IB Frankreich verbreitetes Schreiben mit dem Titel „Mission“, nach dem etwa 100 französische Nationalisten, darunter Studenten und ehemalige Soldaten, bereits auf dem Weg nach Griechenland seien.

Demnach hätten einige von ihnen Kampferfahrungen als Söldner in Kroatien, im Libanon, in Bosnien und am Donbass gesammelt. Ziel seien angeblich die Inseln Lesbos und Chios sowie Athen und die griechische Grenze. Dort wollen sie sich um Journalisten und Flüchtlingshelfer „kümmern“ sowie Videos und Bilder produzieren.

Die Thüringer Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss hatte sich bereits Mitte vergangener Woche dafür ausgesprochen, deutsche Neonazis an der Ausreise nach Griechenland zu hindern. Seit Tagen bereits werde in rechten Chat-Gruppen offen darüber diskutiert, sich nach Griechenland zu begeben, „und es wird gar von der Notwendigkeit der Bewaffnung gesprochen“, so die Landtagsabgeordnete. „Es ist zu befürchten, das militante Neonazis den so bezeichneten ,Tag X’ nun proklamieren und an Menschen, die vor Krieg fliehen, vollstrecken wollen.“