Berlin - Der Senat hat an diesem Sonnabend gleich mehrere Dinge richtig gemacht. Er hat seine Sondersitzung nicht unerträglich in die Länge gezogen – die Pressekonferenz dazu startete sogar mit Verfrühung – und er hat ein paar angemessene Entscheidungen getroffen.

So werden nun die Arbeitgeber mit in die Pflicht genommen. Das war überfällig. Sie müssen ihren Angestellten nun entweder Homeoffice oder zwei Tests in der Woche anbieten. Außerdem sollen Büros nur noch zur Hälfte besetzt sein dürfen. Wenn Lehrer aufwändigen Wechselunterricht vorbereiten müssen, damit die Klassenzimmer nur zur Hälfte besetzt sind, dann ist es nur fair, dass sich auch Versicherungen und Behörden mal ein paar Gedanken machen. Denn es ist richtig, was der Regierende Bürgermeister sagt: Die Gefahr der Ansteckungen besteht vor allem in Innenräumen.

Trotzdem war es keine Überraschung, dass die Öffnungen im Einzelhandel und bei den körpernahen Dienstleistungen nicht zurückgefahren werden. Die Leute sind „mütend“, auch in Berlin. Das neue Wort beschreibt die gefährliche Melange aus Wut und Müdigkeit, die sich angesichts der Pandemie ausbreitet: ein Jahr Einschränkungen und doch kaum ein Fortschritt bei der Bekämpfung des Virus.

Corona-Maßnahmen: Der Gesundheitsminister fordert den Lockdown

Es darf also weiter geshoppt werden, künftig sogar ohne Termin. Die Eintrittskarte dafür ist ein negativer Schnelltest, den man entweder in den Testzentren machen kann oder in den Einkaufszentren direkt vor Ort. So wünscht sich das der Regierende Bürgermeister. Mal sehen, ob es klappt. Und mal sehen, wer bezahlt. In Supermärkten und Drogerien und allen Geschäften des täglichen Bedarfs darf man aber auch weiterhin ohne Test einkaufen.

Ein Blick auf die steigenden Infektionszahlen macht klar, dass demnächst alles schon wieder ganz anders aussehen könnte. Während der Senat tagte, erläuterte der Bundesgesundheitsminister übrigens, dass er dafür ist, die Deutschen in zwei Wochen Lockdown zu schicken.

Man kann es wenden, wie man es will: Es hängt doch alles am Impfen.