BerlinFast acht Stunden haben Länderchefs und die Kanzlerin über die Fortsetzung des Lockdowns diskutiert. Dass diesmal die Länder die Ministerpräsidentenkonferenz mit einer eigenen Verhandlungsvorlage vorbereitet haben, brachte also gar nichts. Außer ein bisschen Ärger im Vorfeld. Da hatte es schon geheißen, dass man sich einig sei, bundesweit schon am 16. Dezember in die Weihnachtsferien zu starten. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur mit Verweis aufs Kanzleramt. Wenig später dann das Dementi. Die Länder wollten nicht mitmachen.

Am Mittwoch war es offenbar wiederum die Lage an den Schulen, die den Tag so in die Länge zog, dass Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Kretschmann seine Pressekonferenz am Abend gleich ganz absagte. Das Ergebnis ist auch hier wieder wachsweich. Während es für den Einzelhandel klare Verschärfungen gibt, Restaurants, Hotels, Kultur- und Freizeiteinrichtungen weiterhin geschlossen bleiben, heißt es für die Schulen: Alles wie immer.

In großen Geschäften darf sich nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter aufhalten – in Schulen geht das locker mit 24 bis 30 Kindern pro 60 Quadratmeter. Ab Klasse 7 müssen alle Maske tragen, dann ist die Welt in Ordnung. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bedankte sich am späten Mittwochabend bei den Kindern und Jugendlichen, die so toll mitziehen. Die Lehrerinnen und Lehrer erwähnte er nicht.

Erst bei einem Inzidenzwert von 200 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner sollen weitergehende Maßnahmen erwogen werden. Sollen – das heißt, die Länder können es auch sein lassen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, die Klassen bei einem Inzidenzwert von 50 zu teilen. Aber das haben ja fast alle Regionen schon erreicht. Also schnell rauf mit dem Grenzwert. Keine Frage, es ist wichtig, die Pandemie mit geeigneten Maßnahmen in Schach zu halten. Aber manche Widersprüche sind nur noch schwer zu ertragen.

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