Wenn das Vaterland ihn nicht haben will, dann kehrt er ihm den Rücken. Dann zeigt er, dass er auch anders kann. Dann denkt Nicolas Sarkozy nicht mehr an das Wohl der anderen, sondern an das eigene. Vor fünf Jahren war das schon so, als die Franzosen dem damaligen Staatspräsidenten ein zweites Mandat vorenthalten hatten. Anstatt sich im Elysée-Palast mit ein bisschen Blingbling zu begnügen, werde er so richtig Geld machen, kündigte der Verschmähte an. Und jetzt ist das wieder so.

Ein Vierteljahr, nachdem Sympathisanten der Rechten und der politischen Mitte Sarkozy bei den Vorwahlen eine erneute Präsidentschaftskandidatur vorenthalten haben, verdingt er sich als Hotelier. Die Branche ist im Aufwind. Nach einem dem Terror geschuldeten Rückgang der Touristenzahlen hat sie Anfang der Woche wachsende Übernachtungszahlen gemeldet. Nicht, dass der 62-Jährige demnächst im Pariser Quartier Latin die Pension „Nico & Carla“ eröffnen würde. Einer wie er kleckert nicht, er klotzt.

Der auch als Anwalt Erfolgreiche tritt dem Verwaltungsrat des Hotelkonzerns Accor bei, zu dem die Häuser Sofitel, Novotel, Mercure, Ibis und 16 weitere Marken gehören. Wer künftig in einem dieser Häuser nächtigt, weiß sich damit zugleich bei Sarko, also bei jemandem, der schon als Innenminister und Staatschef viel auf Sicherheit und Sauberkeit gegeben hat. Hat er nicht einst sogar mit dem Hochdruckreiniger Kärcher die Vorstädte von Gesindel befreit oder dies zumindest vorgehabt?

Accor zeigt sich auf alle Fälle hochzufrieden. Sarkozys perfekte Kenntnis geopolitischer Herausforderungen werde dem Konzern als Trumpfkarte dienen, glaubt Konzernchef Sébastien Bazin. Dass der prominente Neuzugang eine gewisse Affinität zum Tourismus besitzt, steht außer Frage. Sie trat schon 2007 zutage, als er, kaum zum Präsidenten gewählt, auf der Jacht eines befreundeten Millionärs übers Mittelmeer schipperte.

Fragt sich freilich noch, ob der ins Hotelgewerbe Wechselnde womöglich auch insofern ganz der Alte ist, als er gelegentlich mit Überkommenem aufräumen, mit der Vergangenheit brechen will. Was in diesem Fall doch nur heißen kann: Sarkozy, der mit Ausflügen in rechtspopulistische Gefilde dem Front National Wähler abspenstig zu machen pflegte, entdeckt sein Herz für Immigranten. Er quartiert auf der Straße nächtigende Flüchtlinge in Accor-Hotels ein. Wozu immerhin passen würde, dass das neue Verwaltungsratsmitglied den Vorsitz einer Arbeitsgruppe für „Internationale Strategie“ übernehmen soll.