Christchurch - Menschen, die in Neuseeland Gesetze brechen, kommen meistens mit vergleichsweise geringen Strafen davon. Selbst wer regelmäßig betrunken Auto fährt und erwischt wird, bekommt seinen Führerschein nach nur wenigen Monaten wieder zurück. Und solange man niemanden umbringt, kommt man oft mit Hausarrest davon. Bei Keas, die sich wieder und wieder der Sachbeschädigung schuldig machen, ist es nicht anders. Die Gebirgspapageien, die eigentlich in alpinem Terrain zu Hause sind, werden maximal umgesiedelt. Jüngstes Beispiel ist eine sechsköpfige Kea-Clique, die sich auf einem Campingplatz auf der Südinsel wochenlang danebenbenahm, und als Konsequenz nur eingefangen und in die Hügel bei Takaka gebracht wurde.

Tanz auf den Dächern

Ruhe kehrte in dem Küstenort Kaiteriteri allerdings dennoch nicht ein, denn schon tauchten sieben neue Keas auf, die für Chaos sorgten. „Sie tanzten auf den Dächern, machten sich an Photovoltaik-Anlagen zu schaffen, hüpften unter Wohnmobile und knabberten die Schläuchen an“, erzählte die Campingplatz-Managerin Sue Armstrong. Das Fass zum Überlaufen brachten die Purzelbaum schlagenden Papageien, als sie ein riesiges Loch ins Dach eines Wohnmobils hackten. Wieder rückten die Vogelfänger der Naturschutzbehörde DOC (Department of Conservation) an. Doch sie erwischten nur vier der Unruhestifter; sie wurden in ein alpines Skigebiet im Nelson-Lakes-Nationalpark verfrachtet. Denn dort gehören sie auch hin.

Dass die Gebirgspapageien in letzter Zeit immer wieder in Meeresnähe auftauchen und dort ihr Unwesen treiben, ist neu. Allerdings ist das, was sie auf den Campingplätzen vorfinden, auch sehr verführerisch. Die olivgrünen, bis zu 50 Zentimeter großen Tiere lieben Ferienanlagen und Parkplätze, und klappern sie regelmäßig auf der Suche nach Leckereien ab, um sich die mühsame Futterbeschaffung in den Wäldern zu sparen. Die verbliebene Zeit nutzen sie, um ihre Neugier zu stillen und ihren Spieltrieb zu befriedigen. Dr. Lorne Roberts vom Kea Conservation Trust, einer Stiftung, die sich seit 2006 intensiv um das Überleben der einzigartigen Vögel kümmert, hält sie für „intelligenter als Menschenaffen“.

Magisch angezogen von Glänzendem

Zerstörungswütig sind vor allem die jungen Vögel, die sich in Gangs zusammenschließen. Sie lieben es, Gummidichtungen aus Autos zu reißen, Scheibenwischer, Reifen und Schuhsohlen anzuknabbern. Auch alles, was glänzt, zieht sie magisch an: Geldstücke, Schmuck, Reißverschlüsse, Fotolinsen. Wer seinen Wagen im Kea-Revier unbeaufsichtigt stehen lässt, muss damit rechnen, dass irgendwann Dichtungen fehlen. Wer seine Bergstiefel vor einer Hüttentür lüftet, findet sie oft auf dem Dach der Hütte wieder.

Im Februar dieses Jahres schaffte es ein Kea sogar in die Polizeinachrichten. Während ein schottischer Tourist in dem Südalpen-Ort Arthur’s Pass erst einen Kea fotografierte und sich dann der alpinen Szenerie widmete, schlich sich der zuvor abgelichtete Vogel durch die heruntergedrehte Scheibe in den Campervan des Besuchers und flog mit einer mit umgerechnet 700 Euro gefüllten Brusttasche davon. Zwar konnte der schottische Tourist ein Täterfoto liefern, aber sein Geld blieb verschwunden.

Regelmäßig kann man beobachten, wie Keas in einen Reisebus hüpfen, um Essen zu entwenden. Manche Keas schaffen es sogar, die Deckel von Mülltonnen zu öffnen. Sie sind nicht wählerisch und fressen so ziemlich alles, was ihnen vor die Schnäbel kommt: also auch Pommes frites, Kekse und Kartoffelchips. Gerne setzen sich die Papageien auf Picknick- oder Café-Tische, hopsen in die Nähe belegter Brote, packen sie notfalls selber aus, stecken ihre Schnäbel in Cappuccino-Schaum und rücken Menschen auf die Pelle, die sich mit einer Eiscremetüte ins Freie setzen.

Aber die Keas, deren Gekrächze sich wie ein lustiges Kichern anhört, haben gut lachen: Seit 1986 stehen sie unter Naturschutz.