Andrew Cuomo vor dem Marine-Hospitalschiff in New York.
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WashingtonDer Gouverneur mit dem Image eines Kontrollfreaks und Bulldozers zeigt Herz: In Anbetracht der humanitären Katastrophe, die sich in New York abspielt, strahlt Andrew Cuomo so viel Wärme aus, dass selbst frühere Gegner Trost bei ihm suchen. „Einige schmachten nach seinen täglichen Briefings wie nach Chianti und Fleischklößchen“, preist die Star-Kolumnistin der New York Times, Maureen Dowd, den Führungsstil des Demokraten.

Cuomo lässt das überschwängliche Lob, das ihm entgegenschlägt, genauso an sich abperlen wie die harsche Kritik, die seine inzwischen neunjährige Amtszeit als Gouverneur des Bundesstaates New York begleitet. Bei den Linken der Partei hat sich der Zentrist wegen seines raubeinigen Pragmatismus unbeliebt gemacht. Die Rechten wiederum mögen seine progressive Politik nicht.

Empörung wegen Donald Trumps Unterversorung

Jetzt hängen alle an seinen Lippen, wenn er bei seinen täglichen Briefings über das Epizentrum der Corona-Krise in den USA informiert – und dabei zuweilen auch rebelliert. Etwa als er dem Präsidenten ins Stammbuch schrieb, nicht genügend für dessen Heimatstadt zu tun.

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„Sie erwarten Schulterklopfen, weil wir 400 Beatmungsgeräte bekommen?“, empörte sich Cuomo. Das sei viel zu wenig angesichts der 30.000 Maschinen, die er benötige. „Suchen Sie die Menschen aus, die sterben müssen, weil Sie nur 400 geschickt haben.“

Todesopfer in den USA

Opfer: Die Gesamtzahl der erfassten Corona-Toten in den USA betrug am Mittwoch mehr als 4080, wie aus den Statistiken der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervorging. Damit hat sich die Zahl innerhalb von vier Tagen mehr als verdoppelt. Mehr als 40 Prozent der Todesfälle wurden im US-Bundesstaat New York registriert.

Anstieg
: Innerhalb von 24 Stunden starben am Dienstag 865 Menschen – das war die höchste Todeszahl seit Beginn der Krise in den Vereinigten Staaten. Berater des US-Präsidenten rechnen trotz der weitgehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit einem weiteren sprunghaften Anstieg der Todesfälle.

Prognose
: Schätzungen zufolge könnten in den USA bis zu 240.000 Menschen an der Pandemie sterben. In der weltweiten Länderliste der Corona-Toten sind die USA inzwischen auf den dritten Platz vor China gerückt, von wo die Pandemie ihren Ausgang genommen hatte. Mehr Corona-Tote gab es bisher nur in Italien und Spanien.

Der unermüdliche Macher mit den dunklen Ringen unter den Augen handelt, wo andere zögern. Während der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio vor Reportern noch das Für und Wider von Schulschließungen abwog, ordnete Cuomo diese beherzt an. Wie er auch die nicht lebensnotwendigen Geschäfte schließen ließ und Kontaktregeln aufstellte.

Die Corona-Richtlinien benannte er liebevoll nach seiner 88-jährigen Mutter Matilda. Sie sei eine „zuckersüße“ Person, die, wie andere Senioren, „sehr anfällig für das Virus ist“.

Cuomo füllt das Vakum, dass ein empathieloser Präsident hinterlässt

An anderer Stelle sprach er über seine Sorge um eine seiner drei Töchter, die mit Corona in Kontakt kam, und wie er sich selber mit Fakten beruhigen musste. „Ich verstehe die Ängste, die die Menschen haben.“

Wohl auch wegen der fehlenden Empathie Trumps schalten die Amerikaner nun bei den Briefings des Gouverneurs ein. Er füllt das Vakuum, das ein von sich selbst überzeugter Präsident hinterlässt.

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Andrew Cuomo liefert das Kontrastprogramm zu Trump, der in der gleichen Nachbarschaft in Queens aufwuchs. Beide sind Kinder erfolgreicher Söhne europäischer Einwanderer, die zu Hause aber sehr unterschiedliche Werte kennenlernten. Während Trump mit seinem Vater schwarze Mieter diskriminierte, half Cuomo seinem, ein nationales Wohnungsprogramm für Amerikas Obdachlose aus der Taufe zu heben.

Nichts aber illustriert die Verschiedenheit der beiden New Yorker mehr als ihre Haltung zur Krise. Trump lehnt jede Verantwortung für das Test-Desaster, die späte Reaktion, die falschen Erwartungen und die fehlende Vorbereitung auf die Pandemie ab. Cuomo dagegen lässt sich zur Rechenschaft ziehen. „Wenn jemand unzufrieden ist, jemand einen anderen beschuldigen möchte, Leute sich über jemanden beschweren wollen – schieben sie es auf mich.“

Weg frei für Präsidentschaftskandidatur im November?

Das verschafft dem Gouverneur im Epizentrum der US-Corona-Krise Glaubwürdigkeit. Und Unterstützung. Bei Ankunft des Krankenhaus-Schiffs „USS Comfort“ bat der Gouverneur um Verstärkung durch Ärzte und medizinisches Personal aus Teilen Amerikas, die bisher wenig von der Pandemie betroffen sind. „Bitte helfen Sie uns in New York“, flehte er angesichts überfüllter Krankenhäuser und Feldlazarette. Viele Freiwillige kamen. „Lasst uns Gemeinsamkeit, Gegenseitigkeit und Einigkeit zeigen, wie sie das Land in Jahrzehnten nicht gesehen hat,“ sagte Cuomo.

Einigen gilt der Gouverneur als Wunschkandidat der Demokraten für den Präsidentschaftswahlkampf im November. „Wenn wir Joe Biden mit ihm ersetzen könnten, wäre dies ein echter Gewinner“, meint etwa der politische Satiriker Bill Maher. Darauf von seinem jüngeren Bruder Chris am Montag beim Sender CNN angesprochen, winkte Cuomo bloß ab. Er unterstütze seinen alten Freund Joe, sagte er dem Moderator. Der habe „die Erfahrung, die Weisheit und Kapazität“, Amerika zu führen. Er selbst habe für eine Weile „anderes“ zu tun.

Einen Tag später ist das Virus noch ein Stück näher an Andrew Cuomos Leben herangerückt. Sein Bruder Chris gab bekannt, er sei positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden.