22:48 Uhr: Mehr als 500 Flüchtlinge erreichen Berlin mit Sonderzug

Ein Sonderzug mit mehr als 500 Flüchtlingen ist am Freitagabend in Berlin am Regionalbahnhof Flughafen Schönefeld eingetroffen. Der Zug kam direkt aus Salzburg, von Schönefeld aus sollten die Flüchtlinge mit Bussen direkt in die neuen Unterkünfte am Olympiapark gebracht werden, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit. Die neuen Unterkünfte waren am Vortag mit Hilfe der Bundeswehr fertiggestellt worden. Zwischenfälle gab es bei der Ankunft des Zuges laut Polizei nicht. Mit den am Freitagabend eingetroffenen Menschen stieg die Zahl der innerhalb einer Woche aufgenommenen Flüchtlinge laut Verwaltung auf 5500.

22:07 Uhr: Verteilerknoten in der Lüneburger Heide geplant

In der Lüneburger Heide soll ein Drehkreuz für Flüchtlinge in Norddeutschland entstehen. Asylbewerber sollen direkt per Bahn von Österreich nach Bad Fallingbostel gebracht werden, dort in Busse umsteigen und auf die norddeutschen Länder verteilt werden. Das teilte das niedersächsische Innenministerium am Freitagabend mit. Der Bund wolle in Fallingbostel in direkter Nähe zur Kaserne in Oerbke auf einem Gleisanschluss einen Verteilknoten für Flüchtlinge einrichten, hieß es vom Ministerium. Am Samstag wollen sich Vertreter von Bund und Land zur weiteren Planung direkt in Fallingbostel treffen.

18:42 Uhr: München fordert Hilfe in Flüchtlingskrise

München fordert zur Bewältigung der Flüchtlingskrise dringend Hilfe von den Bundesländern und der Bundesregierung ein. Während sich die bayerische Landeshauptstadt für das Wochenende auf 40.000 Ankömmlinge einstellt, hätten die Bundesländer insgesamt freie Unterbringungen für 1500 Menschen gemeldet, sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. „Das halte ich für skandalös“, fügte er hinzu. Außer Bayern nehme bislang vor allem Nordrhein-Westfalen Flüchtlinge auf. „Die anderen möchte ich dringend bitten, sich nicht wegzuducken. So kann es nicht weitergehen“, sagte das Stadtoberhaupt eine Woche vor Beginn des Münchner Oktoberfests.

16:03: Steinmeier erwartet 40.000 Flüchtlinge am Wochenende

Die Bundesregierung rechnet an diesem Wochenende mit der Ankunft von 40.000 weiteren Flüchtlingen in Deutschland. „Ich habe gerade die letzten dramatischen Zahlen bekommen: Wir erwarten allein für die nächsten zwei Tage, am Wochenende, circa 40 000 Flüchtlinge aus den südlichen und südöstlichen Nachbarländern“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Freitag in Prag. Das wären rund doppelt so viele wie am vergangenen Wochenende, als die Bundesregierung in Absprache mit Wien und Budapest beschlossen hatte, Tausenden Flüchtlingen aus Ungarn die Einreise ohne bürokratische Hürden und Kontrollen zu erlauben. Daraufhin waren bis Montag rund 20 000 Migranten nach Deutschland gekommen.

14:24 Uhr: Bahn befördert Flüchtlinge kostenlos

Die Deutsche Bahn reagiert auf die großen Andrang von Flüchtlingen: Ab heute dürften Flüchtlinge und freiwillige Helfer kostenlos fahren, berichtet Spiegel Online. Viele Flüchtlinge würden die Bahn nutzen, obwohl sie kein Ticket haben. Freifahrtscheine bekommen sie allerdings erst, wenn sie sich in einer der Anlaufstellen haben registrieren lassen. Eine Registrierung aber sei aufgrund der vielen Flüchtlinge, die unterwegs seien, nicht immer gegeben. Die Tickets sollen die Schaffner in der Bahn selbst ausstellen. Zu beurteilen, ob es sich tatsächlich um einen Flüchtling handelt, liegt im Ermessen der Kontrolleure. Missbrauch sei dabei nicht ausgeschlossen. „Es ist so, dass die Zugbegleiter sich letztlich auf die Aussage der Flüchtlinge verlassen müssen", zitiert Spiegel Online eine Bahn-Sprecherin.

13:10: Zustände in Ungarns Grenzlagern „entsetzlich“

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die Zustände in den ungarischen Erstaufnahmelagern an der Grenze zu Serbien als „entsetzlich“ kritisiert. „Die in Röszke Internierten werden unter dreckigen, überfüllten Bedingungen festgehalten, sind hungrig und entbehren medizinischer Versorgung“, erklärte HRW-Nothilfe-Direktor Peter Bouckaert am Freitag. Die ungarischen Behörden hätten die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass „Migranten und Asylbewerber menschlich behandelt und ihre Rechte respektiert werden“. Die ungarischen Behörden lassen keine Journalisten und praktisch auch keine Vertreter von Menschenrechtsorganisationen in die Lager bei Röszke. HRW stützte seine Kritik nach eigenen Angaben auf Videos, die der Organisation zur Verfügung gestellt wurden, sowie auf die Aussagen von Flüchtlingen, die in den Lagern gewesen waren.

12:42 Uhr: EU-Sondergipfel noch im September

EU-Ratspräsident Donald Tusk will noch im September einen Sondergipfel zur Flüchtlingskrise einberufen, sollten die Innenminister bei ihrem Treffen am Montag keine Einigung erzielen. Die jüngsten Gespräche mit mehreren Staats- und Regierungschefs der EU machten ihm mehr Hoffnung, dass ein Konsens möglich sei, sagt Tusk.

12:00 Uhr: Von der Leyen versetzt 4000 Soldaten in Bereitschaft

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat für dieses Wochenende rund 4000 Bundeswehr-Soldaten in Rufbereitschaft versetzt. Sie sollten „im Notfall mit anpacken können“, sagte die CDU-Politikerin dem Magazin „Der Spiegel“. „Was personelle Hilfe angeht, haben wir noch Luft nach oben.“

11:23 Uhr: Kerners Flüchtlingssendung floppt

Johannes B. Kerners ZDF-Abend zum Thema „Menschen auf der Flucht“ ist beim Fernsehpublikum nur auf geringe Resonanz getroffen: 2,17 Millionen Zuschauer interessierten sich ab 20.15 Uhr für die Sendung „Menschen auf der Flucht“, in der das ZDF auf die Lage der Flüchtlinge aufmerksam machen wollte und um Spenden warb. Der Marktanteil betrug 7,7 Prozent. Gewöhnlich schalten donnerstagabends etwa doppelt so viele Menschen das ZDF ein. Am besten schnitt ARD-Quizmaster Eckart von Hirschhausen ab: Seine Show, „Hirschhausens Quiz des Menschen“ sahen zeitgleich 4,02 Millionen Zuschauer (14,1 Prozent).

11:06 Uhr: Geplante Flüchtlingsunterkunft in Thüringen angezündet

Unbekannte haben im thüringischen Gerstungen ein für die Unterbringung von Flüchtlingen bereitgestelltes Wohnhaus angezündet. Die Eigentümerin hatte das leerstehende Haus als Unterkunft angeboten, in der Nacht zum Freitag wurde dann das Feuer gelegt, wie die Gothaer Polizei mitteilte. Die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus und schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus. Nun ermitteln Landeskriminalamt und Staatsschutz. Der Sachschaden wird auf 25 000 Euro geschätzt. Ein Zeuge hatte den Brand in dem Haus bemerkt und die Polizei alarmiert. Verletzt wurde niemand.

11:01 Uhr: NRW will 2600 zusätzliche Lehrer einstellen

Angesichts der deutlich steigenden Zahl von Flüchtlingskindern will Nordrhein-Westfalen zusätzliche Lehrer für den Schulunterricht einstellen. „Wir werden in einem Nachtragshaushalt weitere 2600 Stellen schaffen“, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Freitag im WDR-Hörfunk. Zusätzliche Lehrkräfte an den Schulen seien notwendig, damit die Kinder „von Anfang an eine große Chance auf Integration haben“. Löhrmann rechnet damit, dass die Zahl der Flüchtlingskinder, die eine Schule in NRW besuchen werden, auf rund 40 000 steigt. „Das klingt dann erst mal ganz viel, aber im Verhältnis zu 2,5 Millionen Schülern, die in unseren Schulen sind, relativiert sich auch solch eine Zahl“, sagte sie.

10:36 Uhr: Röttgen verteidigt Merkels Kurs

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), hat die Kritik des ehemaligen Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) zurückgewiesen, die Bundesregierung habe in der Flüchtlingskrise die Kontrolle verloren. „Ich halte das Verhalten der Regierung und das der Bundeskanzlerin für eine der größten Leistungen, die sie bisher erbracht haben“, sagte Röttgen am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“. „Hans-Peter Friedrich liegt hier völlig falsch.“

9:54 Uhr: Auch Söder greift Bundesregierung an

Nach CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich hat nun auch sein Parteifreund Markus Söder erneut eine schärfere Asylpolitik gefordert. „Der Zustrom und die Sogwirkung werden erkennbar immer größer. Das beginnt uns zu überfordern“, sagte der bayrische Finanzminister dem „Münchner Merkur“ (Freitag). Die Willkommenskultur und Hilfsbereitschaft der Menschen seien beeindruckend. „Aber die Vernunft sagt, dass das langfristig Folgen haben wird. Wenn in diesem Jahr mehr Menschen zuwandern, als hier geboren werden, wirkt sich das auf die kulturelle Statik einer Gesellschaft aus.“ Deutschland verändere sich in diesen Tagen „grundlegender, als wir im Moment vermuten“. „Die Entscheidung der Bundeskanzlerin, die Grenzen kurzfristig zu öffnen und alle Syrien-Flüchtlinge aufzunehmen, war als Ausnahme gedacht. Diese Ausnahme droht jetzt aber zur Regel zu werden“, warnte Söder. Die CSU sei von Angela Merkels Entscheidung überrascht worden: „Wir hätten es besser gefunden, wenn man vor solch wichtigen Fragen miteinander spricht.“

9:02 Uhr: Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge öffnen

Die Hilfe für Flüchtlinge soll nach Vorstellung von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig künftig auch von Flüchtlingen selbst kommen. Die SPD-Politikerin will dazu den Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge öffnen. „Menschen, die zu uns kommen, die als Asylbewerber anerkannt sind und eine Arbeitserlaubnis haben, sollten auch Freiwilligendienst machen können. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Integration“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag). „Viele Flüchtlinge wollen sich engagieren und mit anpacken. Dieses Potenzial wollen wir nutzen.“ Die Bundesregierung will die Mittel für den Freiwilligendienst vom kommenden Jahr an so aufstocken, dass 10 000 zusätzliche Helfer eingesetzt werden können. Schwesig sagte, dieses Sonderprogramm sei vor allem für Flüchtlinge gedacht. Die zusätzlichen Kräfte sollten dabei helfen, Flüchtlinge in Empfang zu nehmen, zu betreuen und zu integrieren.

8:54 Uhr: Hunderte Flüchtlinge reisen von Deutschland nach Schweden

Nach der vorübergehenden Schließung der Grenze durch Dänemark haben sich Hunderte Flüchtlinge mit Fähren auf den Weg nach Schweden gemacht. Hunderte Flüchtlinge sind von Kiel und Rostock nach Schweden gereist - zu ihrem eigentlichen Wunsch-Asylland. Etwa 200 von ihnen legten am Donnerstagabend mit einer Fähre von Kiel nach Göteborg ab. Nach Angaben der Bundespolizei gingen in Rostock rund 120 Migranten am Nachmittag an Bord einer Fähre mit Ziel Trelleborg. Rund 160 weitere nahmen nach Angaben der Wasserschutzpolizei Rostock am späten Abend Nachtfähren Richtung Schweden.

8:26 Uhr: Gewerkschaft fordert Zugang zu Bildung für Flüchtlinge

Kitas und Schulen müssen nach Ansicht der Gewerkschaften mit großen Anstrengungen fit gemacht werden für die Integration von Flüchtlingskindern in Deutschland. Spätestens ab dem nächsten Schuljahr seien mehr Lehrer, Sozialarbeiter und Psychologen nötig, sagte die DGB-Vizechefin Elke Hannack der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, erklärte: „In allen Bildungsbereichen müssen schnell Maßnahmen ergriffen werden, um den Flüchtlingen zu helfen und ihnen Zugang zu Bildung von Anfang an zu ermöglichen.“
Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte, es sei sehr ehrgeizig, wenn man die Kinder in den sogenannten Willkommensklassen innerhalb von drei bis sechs Monaten sprachlich so weit bringen wolle, dass sie in den Regelunterricht integriert werden könnten. Auch an den Schulen sei darüber hinaus zusätzliche Förderung nötig. „An jedem Gymnasium werden wir dauerhaften Zusatzförderunterricht in Deutsch als Fremdsprache brauchen.“

8:12 Uhr: CSU-Politiker Friedrich attackiert Bundesregierung

Der ehemalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat die Öffnung deutscher Grenzen für aus Ungarn kommende Flüchtlinge scharf kritisiert. Die Entscheidung der Bundesregierung, diese Menschen unkontrolliert und unregistriert ins Land zu lassen, sei eine beispiellose politische Fehlleistung und werde verheerende Spätfolgen haben, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“ laut Vorab-Bericht. Trotz aller menschlich anrührenden Gesten aus der Gesellschaft sei es Aufgabe der Politik, über den Tag hinaus zu denken. Angesichts zehntausender Flüchtlinge, die sich unkontrolliert und unregistriert durch Deutschland und Europa bewegten, müsse man feststellen: „Wir haben die Kontrolle verloren.“ Man könne nur unzuverlässig genau abschätzen, wie viele der Menschen Kämpfer der Islamistenmiliz IS oder islamistische Schläfer seien. Er hoffe, dass dies nicht zu einem bösen Erwachen führe. „Ich bin jedenfalls überzeugt, dass kein anderes Land der Welt sich so naiv und blauäugig einer solchen Gefahr aussetzen würde.“

7:13 Uhr: Merkel verlangt mehr Flexibilität

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mehr Flexibilität bei der Betreuung von Flüchtlingen verlangt. Man solle „von den üblichen strengen Anforderungen abrücken, um etwa genügend Deutschlehrer für Flüchtlinge zu bekommen“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Freitag). „Wir müssen improvisieren, vielleicht pensionierte Lehrer und Erzieher reaktivieren oder Studierende einsetzen. Es bringt ja nichts, Menschen unversorgt zu lassen, weil Lehrer noch nicht die allerhöchste Qualifikation haben.“ Darüber werde der Bund mit den Ländern sprechen, sagte Merkel.

6:39 Uhr: Deutsche haben keine Angst vor zu vielen Flüchtlingen

Die meisten Deutschen haben einer Umfrage zufolge weiterhin keine Angst vor zu vielen Flüchtlingen. Die Aufnahme weiterer Flüchtlinge habe die emotionale Haltung der Bürger gegenüber dem Flüchtlingszuzug nicht verändert, wie aus dem am Freitag veröffentlichten „Deutschlandtrend im ARD-Morgenmagazin“ hervorgeht. Die Mehrzahl der Bundesbürger (61 Prozent) empfinde die Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge nicht als Bedrohung. Aus einer Umfrage vor rund einer Woche war hervorgegangen, dass 59 Prozent der Deutschen keine Angst davor hätten, dass zu viele Flüchtlinge ins Land kommen. 81 Prozent der jetzt Befragten erklärten, ihr alltägliches Leben habe sich durch die Zuwanderung gar nicht verändert. 17 Prozent berichten von geringfügigen Veränderungen und zwei Prozent sind der Meinung, dass sich ihr Alltag durch den Flüchtlingszuzug deutlich verändert habe.