+++21:28 Uhr: Mehr als hundert Migranten versuchen Flucht durch Eurotunnel+++

In einer bislang wohl einmaligen Aktion haben in der Nacht zum Samstag mehr als hundert Migranten gleichzeitig eine Flucht durch den Eurotunnel versucht. 113 Menschen seien am Samstag kurz nach Mitternacht auf der französischen Seite bei Calais in den Tunnel eingedrungen, teilte der Betreiber mit. Nach 15 Kilometern seien die Migranten gestoppt worden. Der Zugverkehr zwischen Frankreich und Großbritannien wurde vorübergehend eingestellt. So etwa sei „noch nie“ vorgekommen, erklärte die Betreibergesellschaft Eurotunnel. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es eine geplante Aktion war mit dem Ziel, öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten“, sagte eine Sprecherin.

Eine andere Eurotunnel-Sprecherin sagte, es sei eine „gezielte und gut organisierte Attacke“ gewesen. Die Migranten „sind durch das Terminal gerannt und haben einige Mitarbeiter zu Boden geworfen und sie mit Steinen beworfen“. Nach Angaben aus Polizeikreisen waren Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks No Border bei einer großen Gruppe von Flüchtlingen dabei, die nachts durch Calais in Richtung Eurotunnel gezogen sei. Die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio, sagte, unter den Migranten habe „eine gewisse Aggressivität“ geherrscht. Behördenangaben zufolge liefen die Flüchtlinge etwa 15 Kilometer in den rund 50 Kilometer langen Tunnel. Der Feuerwehr zufolge erlitten zehn Menschen, davon sieben Flüchtlinge, leichte Verletzungen. Präfektin Buccio sagte ihrerseits, zwei Polizisten und vier Migranten seien leicht verletzt worden. Der Verkehr wurde während der Nacht eingestellt und wurde schrittweise wieder aufgenommen.

+++18:48 Uhr: Zehntausende demonstrieren in Wien+++

Zehntausende Menschen haben am Samstag in Wien ihre Solidarität mit den nach Europa kommenden Flüchtlingen bekundet. Nach Angaben der Polizei waren mehr als 20.000 Menschen zu der Demo unter dem Motto „Flüchtlinge Willkommen“ vor den Westbahnhof geströmt, die Organisatoren zählten rund 60.000 Teilnehmer. Der Zug führte über die Mariahilfer Straße, die mit 2000 Porträts von Flüchtlingen geschmückt war, zum österreichischen Parlament. „Flüchtlinge rein! FPÖ raus!“ stand auf Plakaten unter Bezugnahme auf die rechtspopulistische Partei. Aufgerufen zu der Solidaritätsveranstaltung hatte die Plattform für eine menschliche Asylpolitik. Ein Sprecher sagte, alle Flüchtlinge seien willkommen, „egal ob sie durch Krieg, Verfolgung oder andere Gründe zur Flucht getrieben wurden“. 400 Polizisten begleiteten die Demonstranten, Vorfälle wurden nicht gemeldet. Zum Abschluss der Kundgebung gab es auf dem Heldenplatz ein Solidaritätskonzert, bei dem unter anderen Konstantin Wecker, Conchita Wurst und die Toten Hosen auftreten sollten. Die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland wollen, reisen derzeit durch Österreich. In dem Land selbst sind 53.000 Asylanträge anhängig.

+++17:14 Uhr: Unions-Politiker fordern Grenzschließung und Aufnahmestopp+++

Unions-Politiker fordern angesichts des anhaltenden Flüchtlingszustroms die Schließung der Grenze zu Österreich und einen Aufnahmestopp für Asylbewerber. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, ohne einen Aufnahmestopp gerate die Lage außer Kontrolle. „Schon in den nächsten Tagen kann eine Situation entstehen, in der Bayern die Grenzen seiner Möglichkeiten erreicht, weil die anderen Bundesländer es nicht mehr schaffen, Flüchtlinge aufzunehmen.“ Außerdem müsse die Politik über „eine Obergrenze für die Aufnahme von Asylbewerbern“ reden.
Der CDU-Innenpolitiker Clemens Binninger sagte dem Blatt, Deutschland werde nicht umhin kommen, wirksame Kontrollen an den Außengrenzen zu machen und auch Asylbewerber zurückzuweisen. Angesichts von Hunderttausenden Flüchtlingen, die in wenigen Wochen nach Deutschland kämen, reiche es nicht mehr zu sagen: Wir schaffen das. Diese Parole hatte die Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel ausgegeben.

Der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl verlangte, die Grenzen zu Österreich „unverzüglich“ zu schließen und die Asylbewerber nach Österreich zurückzuschicken. Das Nachbarland solle dann seinerseits die Flüchtlinge zurückweisen - und so eine Kettenreaktion auslösen, bis die Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen Asyl beantragen müssten. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt mahnte: „Die Grenze der Belastbarkeit ist überschritten.“

+++15:12 Uhr: Tödlicher Autounfall mit Flüchtlingen in Österreich+++

Eine Autofahrerin hat in Österreich nahe der deutschen Grenze eine Gruppe von Flüchtlingen erfasst, eine Frau kam dabei ums Leben. Die 61-Jährige prallte am Abend auf einer Landstraße in Mühlheim am Inn gegen vier Menschen, wie die Polizei mitteilte. Die Flüchtlinge kamen ihr demnach in der Dunkelheit zu Fuß auf der Fahrbahn entgegen. Eine 38-Jährige aus Afghanistan erlitt tödliche Verletzungen. Ihre zwölfjährige Tochter, sowie ein 20-Jähriger aus Afghanistan und ein 22 Jahre alter Pakistaner wurden schwer verletzt.

+++12:33 Uhr: Geplante Flüchtlingsunterkunft in Thüringen geht in Flammen auf+++

In Thüringen hat erneut ein für die Unterbringung von Flüchtlingen geplantes Haus gebrannt. Zu dem Feuer kam es am Samstagmorgen in Bischhagen im Eichsfeld, wie die Polizei in Erfurt mitteilte. In das leer stehende Fachwerkhaus hätten an diesem Montag die ersten Bewohner einziehen sollen. Die Ursache sei noch völlig unklar. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, erklärte der Sprecher weiter. Er schloss auch einen technischen Defekt nicht aus. In dem Gebäude sei noch bis zum Vortag gearbeitet worden. Außerdem seien technische Geräte an die Stromversorgung angeschlossen gewesen.

Die weitaus meisten Brände entstehen nach Angaben des Polizeisprechers durch einen technischen Defekt von Elektrogeräten oder durch Bauarbeiten. Brandermittler haben das Gebäude zunächst nicht betreten können, weil zuvor die Statik des Hauses überprüft werden sollte. Außerdem gebe es in dem Gebäude noch viel Löschwasser. 50 Einsatzkräfte verschiedener Feuerwehren löschten die Flammen im Obergeschoss. Der Schaden beträgt nach ersten Schätzungen mehr als 100.000 Euro. Es habe keine Verletzten gegeben, hieß es.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) warnte vor voreiligen Rückschlüssen: „Wir müssen uns die Zeit nehmen, um die Brandursache zu ermitteln“, erklärte er via Twitter. Es sei aber beklemmend, wenn wieder ein Gebäude brenne, in das Flüchtlinge einziehen sollten. „Auch weil in unseren Köpfen sofort ein böser Verdacht steht.“

+++11:28 Uhr: Merkel pocht auf Sicherung von EU-Außengrenzen+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt in der Flüchtlingskrise auf eine europäische Lösung und eine Sicherung der Grenzen. „Die europäische Komponente heißt, dass wir natürlich europaweit vor allen Dingen unsere Außengrenzen schützen - gemeinsam schützen - und damit eine geordnete Zuwanderung nach Europa haben“, sagte die CDU-Vorsitzende am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Gerade die griechisch-türkische EU-Außengrenze sei hier ein Thema. Dafür spreche man auch mit der Türkei. Man müsse aber auch mehr Verantwortung für Länder wie den Libanon oder Jordanien übernehmen, wo schon viele Flüchtlinge sind. „Und wir werden mehr für Entwicklungshilfe ausgeben müssen.“

Deutschland hat die Kontrolle über seine Grenze praktisch verloren, da EU-Randstaaten wie Griechenland oder Italien Hunderttausende Flüchtlinge nicht mehr registrieren. Zwar erfasst die Bundespolizei wieder Einreisen. Dies ist aber nur ein Teil. Die Regierung kann nicht sagen, wie viele Menschen nach Deutschland insgesamt kommen und um welche es sich handelt. Es gilt aber als sicher, dass derzeit jeden Tag Tausende die Grenze unregistriert überschreiten.

Merkel äußerte Verständnis dafür, dass Fragen nach der Aufnahmefähigkeit Deutschlands gestellt würden. Es gebe eine Lage, die man noch nicht gekannt habe. Es müsse deutlich werden, dass Menschen, die Schutz verdienten, auch Schutz bekommen sollten. Wer aber aus rein wirtschaftlichen Gründen komme, müsse das Land verlassen. „Da müssen wir auch noch konsequenter sein.“

+++10.45 Uhr: Bayern kritisiert Niedersachsen: Zu wenig Flüchtlinge aufgenommen+++
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kritisiert die niedersächsische Regierung, weil das Land weniger Flüchtlinge aufnehme als es müsste. Nach Angaben Herrmanns hat Bayern im September mehr als 58.000 Asylbewerber untergebracht. Das seien über 16.000 mehr als der Verteilungsschlüssel der Länder vorsehe, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Andere Bundesländer hätten zum Teil sehr viel weniger Flüchtlinge aufgenommen als sie eigentlich müssten.

„Besonders gravierend fällt das ins Gewicht bei Niedersachsen, das anstelle der vorgesehenen etwa 25 000 nur etwa 18.000 Flüchtlinge aufgenommen hat“, sagte Herrmann. Niedersachsen sei ein rot-grün geführtes Bundesland. „Das steht im Widerspruch zu dem, was sonst aus solchen Ländern zu hören ist: Man redet von Willkommenskultur, praktiziert sie dann aber nicht“, kritisierte der CSU-Politiker.

+++7:22 Uhr: Verkehr im Eurotunnel wegen Flüchtlingsandrang eingestellt+++

Mehr als 100 Flüchtlinge sind in den Eurotunnel zwischen Großbritannien und Frankreich eingedrungen und haben den Zugverkehr stundenlang lahmgelegt. Wie das Unternehmen am Samstag mitteilte, sollte die Unterbrechung noch bis vormittags dauern. Laut der britischen Nachrichtenagentur PA stürmten die Migranten nachts die Gleise auf französischer Seite. Ein Firmensprecher sprach demnach von einer „gut organisierten und koordinierten Aktion“.

In der nordfranzösischen Hafenstadt kampieren tausende Flüchtlinge. Viele von ihnen versuchen, gesetzeswidrig durch den Tunnel oder auf Fähren nach Großbritannien zu gelangen. Seit Ende Juni kamen dabei mehr als zehn Menschen ums Leben. Vor allem am Gelände um den Tunnel sind die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft worden.

+++5:23 Uhr: Brand in Flüchtlingsheim in Kleve - Drei Verletzte+++

Bei einem Brand in einem Flüchtlingsheim in Kleve sind drei Menschen verletzt worden. Sie erlitten leichte Blessuren, als sie sich mit einem Sprung aus einem Fenster in Sicherheit bringen wollten. Wie es in der Nacht zum Samstag zu dem Feuer in einem der Zimmer kam, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Die Feuerwehr löschte die Flammen. Danach konnten die Asylbewerber zurück in ihre Unterkunft. Es entstand ein Schaden von etwa 50.000 Euro.

+++2:50 Uhr: Markus Söder will Zuwanderung begrenzen und Grundrecht auf Asyl antasten+++

Bayerns Finanzminister Markus Söder will die Zuwanderung begrenzen und in diesem Zusammenhang auch das Grundrecht auf Asyl antasten. „Wir brauchen ein Bekenntnis, dass es für Zuwanderung Obergrenzen und Kontingente geben muss - wir können nicht die ganze Welt retten“, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagausgabe). „Ebenso werden wir über das Grundrecht auf Asyl reden.“ Die Aufnahme von einer Million Flüchtlingen im Jahr sei zu viel für Deutschland und importiere Religionskonflikte.

(dpa, rtr, afp)