„Nie gekanntes Ausmaß der Gewalt“: Migranten bei Massenschlägereien in Calais verletzt

Calais - Nach schweren Auseinandersetzungen zwischen Migranten in Calais hat Frankreichs Innenminister Gérard Collomb ein „nie gekanntes Ausmaß“ der Gewalt beklagt. Die Situation für die Einwohner der Hafenstadt am Ärmelkanal sei „unerträglich“, sagte Collomb in der Nacht zum Freitag vor Journalisten. „Wir können nicht das Recht des Stärkeren in unserem Land herrschen lassen.“ Collomb war nach den Zusammenstößen am Donnerstag nach Calais gereist.

Bei Massenschlägereien unter Migranten in Calais sind mehrere Menschen schwer verletzt worden. Fünf Flüchtlinge hätten lebensbedrohliche Schusswunden erlitten, 18 weitere seien durch Schläge mit Eisenstangen verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend mit.

Eritreer griffen Afghanen mit Eisenstangen und Stöcken an

Zu den ersten gewaltsamen Zusammenstößen kam es nach Polizeiangaben am Nachmittag: Rund hundert Migranten aus Eritrea und rund 30 Afghanen gingen bei der Essensausgabe aufeinander los, nachdem ein Afghane Schüsse abgefeuert hatte. Eine zweite Schlägerei habe es kurze Zeit später fünf Kilometer weit entfernt auf einem Industriegelände gegeben. Dort hätten mehr als hundert Eritreer eine Gruppe von 20 Afghanen mit Eisenstangen und Stöcken angegriffen.

Die Polizei musste nach eigenen Angaben dazwischengehen, um die Afghanen zu schützen. Vier schwerverletzte Eritreer zwischen 16 und 18 Jahren wurden in Krankenhäuser von Calais eingeliefert, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der fünfte Schwerverletzte wurde wegen seines sehr schlechten Zustands in ein Krankenhaus ins benachbarte Lille gebracht.

In Calais halten sich nach Schätzung von Hilfsorganisationen derzeit rund 800 Migranten auf, die örtlichen Behörden sprechen von bis zu 600 Flüchtlingen. Sie versuchen, versteckt auf Lastwagen auf dem Seeweg oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Sie leben unter elenden Bedingungen, weshalb es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen unterschiedlichen Nationalitäten kommt. (dpa/afp)