Der niederländische Gesundheitsminister Bruno Bruins verlässt nach seinem Schwächeanfall das Parlament
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Den HaagMitten in der Corona-Krise ist der niederländische Gesundheitsminister Bruno Bruins in einer erhitzten Debatte zur Strategie der Niederlande im Kampf gegen das COVID-19-Virus zusammengebrochen.

Der Minister konnte das Parlament, gestützt von einem Helfer, auf eigenen Beinen verlassen. Bruins erklärte anschließend, der Zusammenbruch sei Folge seiner Arbeitsüberlastung gewesen.

Herdenimmunität soll Niederländer vor Virus schützen

Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie verfolgen die Niederlande eine andere Strategie als andere europäische Staaten. Zwar wurden inzwischen auf öffentlichen Druck hin Schulen und Kitas, Restaurants und Clubs geschlossen. Die Grenzen wurden für Nicht-EU-Bürger dicht gemacht. Allerdings hoffen die niederländische Regierung und die Gesundheitsbehörde RIVM darauf, dass sich in der Bevölkerung eine sogenannte Gruppen- oder Herdenimmunität einstellt - dass also immer mehr Menschen eine Erkrankung überstehen und dann gegen erneute Infektionen mit dem Virus gefeit sind. Eine ähnliche Strategie hatte die britische Regierung unter Boris Johnson verfolgt, diese aber nach heftiger Kritik von Wissenschaftlern wieder verworfen.

Wie die dpa berichtet, sorgten entsprechende Äußerungen von Ministerpräsident Mark Rutte für teils heftige Kritik. Rutte hatte erklärt, ein großer Teil der Bevölkerung werde sich nach Einschätzung von Experten infizieren. „Und sie (die Experten) sagen uns auch, dass wir in Erwartung eines Impfstoffs oder eines Medikaments die Verbreitung des Virus abbremsen und zugleich kontrolliert eine Gruppenimmunität aufbauen können.“ Dies könne aber viele Monate dauern. „In dieser Zeit müssen wir besonders gefährdete Menschen so gut wie möglich abschirmen“.

Viele Niederländer fühlen sich als Teil eines großen Experiments

Politiker der Opposition warfen dem liberal-konservativen Ministerpräsidenten vor, für Unruhe unter der Bevölkerung zu sorgen. „Viele Niederländer fühlen sich, als seien sie Teil eines großen Experiments“, sagte der Vorsitzende der Sozialdemokraten (PvdA), Lodewijk Asscher. Rutte sprach daraufhin von einem Missverständnis.

Beim RIVM hieß es, die Strategie bestehe darin, Gefährdete so stark wie möglich zu beschützen, dafür zu sorgen, dass Krankenhäuser nicht überfordert sind und zugleich zuzulassen, dass stärkere Gruppen Immunität aufbauen. «Wir versuchen, die Abfolge von Infektionen auf Infektionen zu durchbrechen», sagte ein RIVM-Sprecher.