Indigene und Klimaaktivisten protestieren während der Weltklimakonferenz vor der Konzernzentrale des Erdölkonzerns Repsol gegen die Ölkontamination und die Industrie fossiler Brennstoffe.
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Madrid/StockholmDrei Gewinner der diesjährigen Nobelpreise haben wenige Tage vor der Verleihung der Auszeichnung in Stockholm dringend Maßnahmen gegen den Klimawandel angemahnt. Esther Duflo, die sich den Wirtschaftsnobelpreis mit zwei zweiteren Ökonomen teilt, sagte auf einer Pressekonferenz am Samstag unter anderem, der Klimawandel treffe Menschen im Süden unverhältnismäßig stark. „Deshalb ist es auch unsere Verantwortung in der reichen Welt, unseren Konsum einzuschränken.“

Stanley Whittingham, einer der drei Chemie-Nobelpreisträger, mahnte Pragmatismus an. „Wir können nicht einfach alles Kohlendioxid abstellen“, sagte er. Es sei aber an der Zeit, das Problem zu lösen. Didier Queloz, der zu den drei Gewinnern des diesjährigen Physik-Nobelpreises gehört, erinnerte daran, dass der Mensch für den Planeten Erde geschaffen sei und nicht auf einem anderen Planeten überleben könne. „Also sollten wir besser unsere Zeit und Energie darauf verwenden, das in Ordnung zu bringen.“

Das Erreichte ist in Gefahr

Duflo warnte auch davor, dass ein Großteil des Erreichten im Kampf gegen die weltweite Armut in näherer Zukunft durch die Erderwärmung in Gefahr sein könnte. An der Pressekonferenz in der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften nahmen auch andere Preisträger teil. Die Nobelpreise werden am Dienstag verliehen.

Unterdessen ist bei der zweiwöchigen Weltklimakonferenz in Madrid Halbzeit. Von diesem Montag an wird dort auf Ministerebene verhandelt, auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze nimmt teil. Im Mittelpunkt der Treffen stehen ehrgeizigere Ziele als bisher, was die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens angeht. Dieses sieht vor, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Jedoch müssen die ambitionierteren Pläne erst bei der nächsten Klimakonferenz im kommenden Jahr vorgelegt werden.

Wie sehr die Zeit drängt, zeigte am Sonnabend in Madrid einmal mehr ein neuer Zustandsbericht, er konzentrierte sich auf die Meere. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) erläuterte, wie sehr die Fischbestände durch den Sauerstoffverlust der Meere bedroht seien. „Das ist möglicherweise das letzte Alarmsignal, dass wir von dem unkontrollierten Experiment bekommen, das die Menschheit in den Ozeanen der Welt ausgelöst hat“, sagte Dan Laffoley, einer der Herausgeber des Berichts.

Der sinkende Sauerstoffgehalt in den Ozeanen hat dem Bericht zufolge in der Hauptsache zwei Gründe. Zum einen die Klimaerwärmung. Heize sich das Meerwasser auf, enthalte es tendenziell weniger Sauerstoff. Zum anderen führe eine Verschmutzung der Gewässer mit Nährstoffen etwa aus Düngemitteln aus der Landwirtschaft zu einem starken Algenwachstum. Bei ihrem Abbau verbrauchten diese Sauerstoff.