Geduld und Demut: Norbert Blüm
Foto: dpa

BerlinDer CDU-Politiker Norbert Blüm ist seit einer Blutvergiftung im vergangenen Jahr von den Schultern abwärts gelähmt. In einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung Die Zeit schreibt der frühere Arbeits- und Sozialminister: „Noch nehme ich das Urteil nicht ganz so ernst, wie ich eigentlich müsste, weil mein Lebensgefühl es nicht akzeptiert, auf Dauer gelähmt zu sein.“ 

Blüm war dem Beitrag zufolge nach einer Blutvergiftung in ein Koma gefallen und kann seit seinem Erwachen Arme und Beine nicht mehr bewegen. Das Krankenhaus habe der 84-Jährige nach monatelangen Aufenthalten in der vergangenen Woche verlassen. „Ich fühle mich wie eine Marionette, der sie die Fäden gezogen haben, sodass ihre Teile zusammenhanglos in der Luft baumeln“, schreibt Blüm in seinem Beitrag, den er laut Die Zeit seiner Frau diktierte. Er habe ein intensives öffentliches Leben geführt – „zeitweise als Rummelboxer der Politik“.

„Das Alter muss man annehmen"

Nun müsse er sich auf eine neue Perspektive einstellen, er nähme die Welt mittlerweile ganz anders wahr. „Meine Lähmung verändert die Proportionen. Aus Bagatellen werden Problemfälle“, so Blüm. „Mich reizt gerade unter dem linken Auge ein Jucken. Früher hätte ich mit einem Handstrich den Juckreiz beseitigt. Heute kann meine Hand das nicht. Und so muss ich geduldig ausharren, bis der Reiz aufgibt.“ Kürzlich hatte Blüm in einem Interview über sein Alter und seine Demut gesprochen.

„Das Alter muss man annehmen. Es ist mit Einbußen verbunden. Das gehört zum Leben“, sagte er damals. Er hoffe, dass er noch lange mit seiner Frau zusammenbleiben könne „und dass wir uns gegenseitig unterstützen“. Nun schreibt Blüm: „Ich beurteile manche Ereignisse meines Lebens anders als bisher, und der Rollstuhl bildet die Wasserscheide.“ Doch sei er bei seiner Familie. Ein Trost: „Ich bin daheim.“ (AFP)