Berlin - „Ich bin kein Lager.“ Norbert Röttgen sagt es in seiner Bewerbungsrede am Sonnabendmorgen noch einmal. Seine Hoffnung ist, dass ihn diejenigen wählen, die von der Merkel-Ära genug haben, vor Friedrich Merz' Konservatismus aber zurückschrecken.

Dass das nicht reichen wird, um die Delegierten zu überzeugen, weiß auch Norbert Röttgen, also wagt er den Rundumschlag: Er inszeniert sich als Kandidat der Zukunft, als derjenige, der die Partei jünger, weiblicher, digitaler machen will. Er betont die Bedeutung des Umweltschutzes im Einklang mit wirtschaftlichem Aufschwung.

Cleverer Schachzug: Er erwähnt den Osten, betont seinen Willen zum Zusammenhalt. Das ist vor allem deshalb klug, weil die Ost-CDU traditionell in Richtung Friedrich Merz schielt.

Das klingt alles ziemlich schlüssig, sehr persönlich wird Röttgen aber nicht. Insgesamt ist es eine Rede, die sich eher gegen die anderen Parteien richtet als an die CDU-Mitglieder. Es ist eine Wahlkampfrede für die Kanzlerkandidatur - von der er in der Vergangenheit behauptet hatte, sie gar nicht unbedingt anzustreben.

Was auffällt: Die Außenpolitik streift Röttgen, der versierte Außenpolitiker, nur am Rande, indem er die Angriffe auf das Kapitol in Washington verurteilt. Damit lässt er die Chance verstreichen, eine seine Kernkompetenzen zu betonen, in der ihm keiner der anderen Kandidaten das Wasser reichen kann.