Norbert Röttgen will für CDU-Vorsitz kandidieren

Merz, Spahn, Laschet - sie alle gelten als Aspiranten auf den CDU-Vorsitz. Richtig aus der Deckung gewagt hat sich bislang keiner von ihnen. Nun ist ein vierter Bewerber vorgeprescht, der bislang noch nicht gehandelt wurde.

Berlin-Gefühlt ist er Nummer vier. Am Dienstag hat Norbert Röttgen, Außenpolitiker und ehemaliger Bundesumweltminister, seine Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz erklärt.

Der Nächste in der Reihe: Norbert Röttgen hat seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz angemeldet.
Der Nächste in der Reihe: Norbert Röttgen hat seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz angemeldet.dpa/Christoph Soeder

Gefühlt reiht sich der 54-Jährige aus Meckenheim im Rheinland damit auch ein in die Riege der CDU-Politiker, noch dazu der aus Nordrhein-Westfalen, die seit dem erklärten Verzicht Annegret Kramp-Karrenbauers auf die Parteispitze Anspruch auf ihre Nachfolge erheben. Friedrich Merz, Armin Laschet, Jens Spahn – das waren die Namen, die in den letzten Tagen kursierten.

Dabei war Röttgen ja eigentlich der Erste – noch hat keiner der anderen Herren, mit denen Noch-CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer schon erste Gespräche führt, seine Kandidatur erklärt. Zwei weitere CDU-Mitglieder sollen sich inzwischen offiziell beworben haben. Ihre Namen blieben zunächst vertraulich.

Röttgen setzt klare Schwerpunkte für Kandidatur

Norbert Röttgen selbst tritt am Dienstag erst mal vor die Hauptstadtpresse und setzt dabei für seine Kandidatur klare Schwerpunkte, die über das innerdeutsche Klein-Klein hinausweisen. Der eine ist die deutsche Außenpolitik. Das ist wenig überraschend, seit 2014 ist Röttgen Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag und außerdem ein gefragter Experte in außenpolitischen Fragen. „Wir brauchen eine europäische Antwort darauf, wie wir eine europäische Einheit herstellen wollen“, verkündet Röttgen und wirbt für eine Stärkung des Bündnisses zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Röttgen gilt als Überraschungskandidat für den Parteivorsitz und   gleichzeitig als der nächste CDUler, der mit seiner Kandidatur eine offene Rechnung begleichen will. Wurde er doch nach seinem Scheitern als Spitzenkandidat bei der NRW-Landtagswahl 2012 von Kanzlerin Angela Merkel kurzerhand abgesetzt.

Klimapolitik als Schwerpunkt

Am Dienstag ist Röttgen redlich bemüht, diesem Eindruck entgegenzuwirken. Er will vermeiden, zwischen dem Anti-Merkel-Kandidaten (Merz) und dem, der die Merkel-Agenda weiterführen soll (Laschet) zerrieben zu werden – also grenzt er sich ab. Das tut er auch, indem er die Klimapolitik zu seinem Schwerpunkt erklärt. „Ökologische Kompetenz muss der CDU ein glaubwürdiges Anliegen sein“, sagt Röttgen. Ohne verlässliche Klimapolitik gebe es keine Regierungskompetenz.

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Das ist neu auf der CDU-Prioritätenliste, waren von den potenziellen Mitbewerbern bislang doch eher zögerliche bis kritische Stimmen gegenüber der vor allem von der Jugend getragenen Klimaschutzbewegung zu hören. So war sich Friedrich Merz noch beim CDU-Parteitag im vergangenen November nicht zu schade für einen Angriff auf die damals 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Röttgen hingegen sagt am Dienstag: „Wenn wir keine Glaubwürdigkeit in der Klimapolitik beweisen, dann droht uns eine ganze Generation verloren zu gehen.“ Eine ganze Generation zukünftiger Wähler, meint er wohl. Laut letzten Umfragen käme die Union auf knapp 26 Prozent der Stimmen, während sich die Grünen stabil bei 22 Prozent halten. Ob das neue Kooperationsfantasien auslöst? Schließlich war es Umweltminister Röttgen, der schon 2009 mit einem schwarz-grünen Bündnis liebäugelte.

„Alle sind immer für Team, ich auch“

Das ist an diesem Tag erst mal kein Thema. Stattdessen muss Norbert Röttgen sich die Frage gefallen lassen, warum keine Frau für den Vorsitz kandidiere – und ob nicht auch eine Teamlösung möglich sei. Letztgenannter Vorschlag findet auch in der CDU Befürworter. Am Dienstagmorgen hatte die Vorsitzende der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz, im Deutschlandfunk gesagt, für die Führung der Partei müsse es ein Team geben, „von dem sich Männer und Frauen angesprochen fühlen“. Und Daniel Günther, CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, hatte sich tags zuvor in der ARD gar für ein Tandem aus künftigem Kanzlerkandidaten der Union und Kanzlerin Angela Merkel im nächsten Bundestagswahlkampf ausgesprochen.

Norbert Röttgen windet sich bei der Frage nach einer Mehrfachspitze, einer männlich-weiblich gemischten zumal. „Alle sind immer für Team, ich auch“, sagt er. In diesem Fall glaube er aber, dass versucht werde, „machtpolitische Interessen Einzelner unter einen Hut zu bringen“.

Es ist einer der wenigen Momente an diesem Vormittag, bei denen Röttgen ins Schlingern gerät. Ansonsten gibt er sich staatsmännisch-selbstbewusst. Es gehe um die Zukunft der CDU, „um die christlich-demokratische Idee von der Zukunft unseres Landes“, sagt er. Und – da ist das Wort wieder – um die Glaubwürdigkeit, die wiederherzustellen er sich berufen fühlt, nicht trotz, sondern gerade wegen der Rückschläge in seiner Biografie. „Wer einmal eine Niederlage erlebt hat, der weiß: Was relevant bleibt, ist, dass man wieder aufsteht. Das ist ein Teil von mir. Einer, der wichtig ist für die Übernahme großer Verantwortung.“