War es eine Kommunikationspanne? Oder war es am Ende ein ausgebuffter Akt der psychologischen Kriegsführung? Die Verwirrung ist groß wegen der Reaktion der USA auf Raketentests Nordkoreas. Vergangene Woche ließ sich Donald Trump im Fernsehen martialisch vernehmen: „Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig.“

Doch als die Welt glaubte, die „USS Carl Vinson“ nehme von Singapur aus Kurs auf Nordkorea, um dessen Machthaber Kim Jong Un einzuschüchtern, schipperte der Flugzeugträger samt Begleitschiffen Tausende von Seemeilen von Korea entfernt in die entgegengesetzte Richtung – Kurs Australien.

Weißes Haus hielt an falscher Darstellung fest

Fast eine Woche lang hielt das Weiße Haus an der offenkundig falschen Darstellung fest, die Kriegsschiffe seien längst in die Gewässer vor der koreanischen Halbinsel unterwegs.

Zuvor hatten sich die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA wieder einmal verschärft, weil Nordkorea Raketentests unternommen hatte. Präsident Trump schloss in einer Twitter-Botschaft sogar einen Militärschlag wie in Syrien nicht aus, mit dem Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm gelöst werden könnte: „Nordkorea sucht Ärger. Wenn China sich dazu entscheidet zu helfen, wäre das großartig. Wenn nicht, dann werden wir das Problem ohne sie lösen. USA!“

Die Entsendung der „Carl Vinson“ wurde als Demonstration militärischer Stärke gewertet. Der Marineverband hätte nach Darstellung südkoreanischer Medien am Osterwochenende in den Gewässern vor der koreanischen Halbinsel auftauchen sollen.

Allein: Fotos der US-Marine vom Ostersamstag, die jetzt bekannt wurden, zeigen die Kriegsschiffe auf westlichem Kurs in der Sundastraße, einer Meerenge zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java. Von dort aus geht es aber nicht nach Korea, sondern in den Indischen Ozean hinein. 

Bluffen Amerikaner nur?

Handelte es sich dabei etwa um psychologische Kriegsführung? Davon jedenfalls ist Cai Jian überzeugt, ein Wissenschaftler am Zentrum für Korea-Studien an der Universität im chinesischen Shanghai. Er sprach in der „Washington Post“ von einem Bluff der Amerikaner. Diese hätten zum jetzigen Zeitpunkt keine Absicht, einen Militärschlag gegen Nordkorea zu führen.

Ross Babbage dagegen glaubt nicht an einen Bluff. „Die US-Regierung meint es todernst“, sagte der Mitarbeiter einer auf Militärangelegenheiten spezialisierten Denkfabrik in der US-Hauptstadt Washington. Die USA versuchten schließlich schon seit 40 Jahren, die Nordkoreaner von der Atombombe abzubringen. Möglicherweise sei die „Carl Vinson“ absichtlich in die falsche Richtung geschickt worden, um China Zeit zu geben, auf Nordkorea politischen Druck auszuüben.

Die Erklärung des Weißen Hauses

Schwer zu sagen, welche Version stimmt. Das Weiße Haus möchte die Angelegenheit derzeit nicht kommentieren. Und die US-Marine bietet folgende Erklärung an: Der Verband habe vor der Abfahrt nach Korea erst noch Übungen mit der australischen Marine absolvieren müssen. Unklar bleibt aber, weshalb die Entsendung der „Carl Vinson“ nach Korea offenbar vorschnell verkündet wurde.

Mittlerweile hat die „USS Carl Vinson“ ihren Kurs wieder geändert. Nun geht es angeblich tatsächlich Richtung koreanische Halbinsel, wo der atomgetriebene Flugzeugträger nächste Woche ankommen soll. Sagt zumindest die US-Marine.