Peking - An den Seiten sind sie fast wegrasiert, oben dafür etwas länger, gescheitelt. Sein rundes Gesicht verwandeln die schwarzen Haare in eine menschliche Version, sagen wir, eines Mopses. Doch Kim Jong Un, Nordkoreas junger Diktator und vor allem von Chinesen als „Dickerchen, der Dritte“ verspottet, mag seine Frisur. Und weil er sie so mag, wie er auch sein Volk zu mögen vorgibt, müssen nun auch Nordkoreas College-Studenten die Mops-Frisur Kims tragen. So berichtet es der Sender „Radio Free Asia“, der sich auf die Erzählungen eines an der chinesischen Grenze lebenden Nordkoreaners beruft. Die Studentinnen seien angewiesen, ihre Haare so kurz zu tragen wie Kims junge Gattin Ri Sol Ju.

Diese Direktive gehe wohl nicht auf den Herrscher zurück, doch sei es eine Empfehlung der Arbeiterpartei. Was sie allerdings „empfehle“, gelte im Land als Gesetz. Der Informant habe auch, so „Radio Free Asia“, vom Widerstand auf den College-Fluren erzählt, einige Nordkoreaner hätten sich zunächst geweigert, sich die Haare so schneiden zu lassen, wie es vor zehn Jahren unter Schmugglern üblich gewesen sei. Überprüfen lässt sich der Bericht aus dem abgeschotteten Land nicht.

Ungewöhnlich daran ist lediglich die Tatsache, dass nun nur noch zwei Frisuren unter der nordkoreanischen Elite-Jugend, denn nur die Elite darf studieren im Land, erlaubt sein soll. Frisurlisten hat es auch vorher bereits gegeben. In Friseursalons ist auf Fotos genau festgehalten, was geht und was nicht. 18 Frisuren für die Männer, zehn für die Frauen. Verheirateten Frauen sei mehr „Flexibilität“ erlaubt, so die Anweisung – ihnen gestattet die Führung längere Haare.

Auch in China existieren solche Listen. Sie sind nicht direkt vom inneren Zirkel der Macht vorgegeben und unter Androhung von Strafe zu erfüllen, doch einige Arbeitgeber schreiben vor, welche Kleidung und welche Frisur zu tragen sind. Vor allen in den Schulen des Landes werden die Anweisungen teils strikt durchgesetzt. Die Mädchen haben, bitte schön, ihre längeren Haare zusammenzubinden, am besten sei es aber, sie trügen sie kurz. Den Jungen sind längere Haare gar nicht erst erlaubt. Wenn es jemand doch wagt, mit solch „ungepflegter Haarpracht“ im Schulgebäude zu erscheinen, wird er erst ermahnt, dann zum Direktor gebeten und später gezwungen, sich die Haare abschneiden zu lassen. Einige Schüler, so berichten chinesische Medien immer wieder, sind nach einer solchen Prozedur so erschüttert, dass sie von der Brücke springen oder aus dem Fenster der Schule. Sie wollten sich keine Kleider- und Haarordnung vorschreiben lassen, teilen sie mit.