Kim Jong Un ist wieder da. Am Sonnabend eröffnete er eine Düngemittelfabrik. 
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SeoulNach wochenlangen Spekulationen über seinen Gesundheitszustand hat sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Kim habe am Freitag eine Düngemittel-Fabrik in der Stadt Sunchon nördlich von Pjöngjang eingeweiht, meldeten die nordkoreanischen Staatsmedien am Sonnabend. Nach einer dreiwöchigen Abwesenheit und Gerüchten über eine angebliche schwere Erkrankung war Kim nun wieder lachend und augenscheinlich gesund auf offiziellen Fotos zu sehen.

Alle Teilnehmer seien bei Kims Auftritt „in tosende Hurra-Rufe ausgebrochen“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Kim habe die Fabrik besichtigt und sei über die Produktionsprozesse informiert worden. „Mit großer Ergriffenheit“ habe Kim gesagt, dass sein Großvater Kim Il Sung und sein Vater Kim Jong Il über „die Nachricht, dass die moderne Phosphatdünger-Fabrik gebaut worden ist, sehr begeistert gewesen wären“.

Auch das nordkoreanische Staatsfernsehen und die Zeitung Rodong Sinmun veröffentlichten Bilder von dem Besuch in der Provinz Süd-Pyongan. Darauf ist neben Kim auch seine Schwester und enge Beraterin Kom Yo Jong zu sehen. Kim trägt wie üblich einen schwarzen Anzug und winkt Hunderten Fabrikarbeitern zu, die ihm zujubeln und bunte Luftballons steigen lassen.

Auf einem Foto sitzt Kim vor einem Plakat, das die Eröffnung der Fabrik auf den 1. Mai 2020 datiert. Eine unabhängige Bestätigung für die nordkoreanischen Berichte über Kims Auftritt gab es zunächst jedoch nicht.

Kim war seit einem Treffen des Politbüros der Nordkoreanischen Arbeiterpartei am 11. April nicht mehr öffentlich aufgetreten und hatte insbesondere bei den Feierlichkeiten zu Ehren seines verstorbenen Großvaters, Staatsgründer Kim Il Sung, gefehlt. Der 15. April ist der wichtigste Termin des Jahres für die politische Elite das Landes - die Feierlichkeiten hatten wegen der Coronavirus-Pandemie allerdings in deutlich kleinerem Rahmen als üblich stattgefunden.

Das Webportal Daily NK, das überwiegend von Überläufern aus Nordkorea betrieben wird, hatte berichtet, Kim habe sich einem dringlichen Eingriff am Herz-Kreislauf-System unterziehen müssen. „Exzessives Rauchen, Fettleibigkeit und Erschöpfung“ seien die Gründe für seine gesundheitlichen Probleme gewesen. Der US-Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf einen US-Regierungsmitarbeiter, Washington gehe Geheimdienstinformationen über einen angeblich sehr schlechten Zustand Kims nach einer Operation nach.

Südkorea und die US-Regierung hatten die Berichte allerdings zurückgewiesen. Der Sicherheitsberater des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In sagte bereits am vergangenen Sonntag, Kim lebe und sei wohlauf. Kim halte sich seit zwei Wochen in der Ferienstadt Wonsan im Osten von Nordkorea auf.

Das Vereinigungsministerium in Seoul, das für die Beziehungen der beiden koreanischen Staaten zuständig ist, kritisierte am Sonnabend, die Spekulationen über Kims Gesundheit hätten für  Verwirrung gesorgt.

Bereits in der Vergangenheit hatte Kims Abwesenheit zu Spekulationen über seine Gesundheit geführt. So wurde er etwa 2014 sechs Wochen lang nicht in der Öffentlichkeit gesehen. Als er wieder auftauchte, ging er am Stock. Der südkoreanische Geheimdienst berichtete damals, Kim habe sich eine Zyste am Knöchel entfernen lassen.

Es ist generell schwierig, Informationen aus dem abgeschotteten Land zu erhalten. Insbesondere alle Vorgänge rund um die politische Führung des Landes werden geheim gehalten. Kims Vater und Vorgänger Kim Jong Il war bereits zwei Tage tot, bevor jemand außerhalb des engsten Führungskreises davon erfuhr.