Bihac - Ein Mann hat eine Decke über seine Schultern gelegt. Der untere Teil des hellblauen Stoffs ist mit Matsch getränkt. Ein Paar dunkler Augen sitzt über hohlen Wangen. Sie fixieren die Kamera auf der anderen Seite eines Gitterzauns. Es ist der Blick eines Mannes, der zu viel gesehen hat in den vergangenen Tagen und nichts anderes mehr vermag als schweigen. Auf der anderen Seite des Gitters steht die deutsche Schauspielerin Katja Riemann. Sie trägt einen Winteranorak mit Pelzkapuze über einer Wollmütze. Riemann stellt einem Migranten, der neben dem in eine Decke gehüllten Mann steht, auf Englisch Fragen.

Er nennt sich Yallah Sahin und sagt, er sei Afghane. Seit dem Brand vom 23. Dezember ist er einer von rund 900 Migranten ohne Obdach im Lager Lipa, circa 25 Kilometer südöstlich der Stadt Bihac in Nordwestbosnien und unweit der kroatischen EU-Außengrenze gelegen. Die zum UN-System gehörende Internationale Organisation für Migration (IOM) beschloss am Tag vor Heiligabend, das Camp zu räumen. Ein Streit mit den bosnischen Behörden war der Entscheidung vorausgegangen. Das Lager Lipa wurde im April 2020 als Provisorium in der Corona-Pandemie für 1000 Migranten eröffnet. Das eigentliche Camp in der ehemaligen Kühlschrankfabrik Bira am Stadtrand von Bihac wurde im September geschlossen und die letzten Bewohner nach Lipa verlegt.

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