Berlin - Der Tag bei „Spiegel Online“ begann mit einer Entschuldigung. „Aufgrund eines Missverständnisses in der Redaktion hatte „Spiegel Online“ zunächst vermeldet, die NPD werde verboten. Wir bedauern dieses Versehen zutiefst und bitten um Entschuldigung“, teilte die Redaktion mit. Im Internet-Zeitalter gilt freilich, dass man das Kind gar nicht so schnell aus dem Brunnen holen kann, wie es hinein gefallen ist. In Hamburg lernen sie das gerade schmerzhaft. Aber nicht nur „Spiegel Online“ lag mit der Meldung falsch. Auch „Zeit Online“, die „Neue Zürcher Zeitung“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, der „Stern“ und der „Mitteldeutsche Rundfunk“ haben in dem Ehrgeiz besonders schnell zu sein, das verkehrte Urteil veröffentlicht.

„Spiegel Online“, so viel steht fest, gab um kurz nach zehn Uhr eine Eilmeldung heraus: „Das Urteil ist gefallen: Die NPD wird verboten.“ Der grüne Abgeordnete Volker Beck schrieb daraufhin bei Twitter: „Das überrascht mich: Ob das in Straßburg hält?“ Die meisten Experten waren nämlich davon ausgegangen, dass es nicht zu einem Verbot kommen würde. Erstens weil die Karlsruher Richter die NPD als zu schwach einstufen würden. Und zweitens weil spätestens der Europäische Gerichtshof, die Berufungsinstanz, zu einem solchen Urteil käme und das Verfassungsgericht sich ungern korrigieren ließe. Und tatsächlich: Die Nachricht von „Spiegel Online“ war falsch. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts lautete, dass die NPD nicht verboten wird.

Nur war der Schaden da schon eingetreten. Vereinzelte Politiker wie Linksparteichef Bernd Riexinger und der Leiter der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning (SPD), begrüßten die falsche Nachricht. Als der Irrtum ruchbar wurde, ließ die Kritik jedoch nicht lange auf sich warten. Hans-Jörg Vehlewald, Chefreporter Politik bei der Bild-Zeitung, schrieb bei Twitter: „Fassungslos! Und das nach 70 Lehrzeit!!!“ Ein Kollege der Zeitung „Die Welt“ schloss sich an mit der Bemerkung: „Fake News Premium.“ Riexinger tat kund, es habe da wohl unterschiedliche Wahrnehmungen desselben Sachverhalts gegeben.

Nun ist der Vorwurf, hier sei eine Fake News verbreitet worden, ziemlich daneben. Denn hinter Fake News verbirgt sich in der Regel eine Absicht. Andere Journalisten sagten, sie hätten den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, ebenfalls falsch verstanden, weil der zunächst die Anträge zitiert habe, in denen es hieß, die NPD „ist verfassungswidrig“. Ein peinlicher Fehler war es natürlich trotzdem. Einer, der zeigt, dass Journalismus Zeit braucht.

In der Spiegel-Redaktion ist das Bedauern groß. Es handele sich zweifellos um eine Blamage, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Bei Twitter zeigte ein User denn auch ironisch Mitleid mit der Bemerkung: „Unsere Gedanken sind beim verantwortlichen SPON-Redakteur.“