Die Ausgangslage: Rot-Grün regiert in Nordrhein-Westfalen unter Ministerpräsident Hannelore Kraft. Doch in den Umfragen kam Armin Laschet der SPD-Spitzenkraft gefährlich nahe. Es stand auf dem Spiel: der Verlust der sozialdemokratischen Hochburg. Und? Klar: der Verlust an den Glauben, dass ihr Spitzenkandidat Martin Schulz (Würselen) tatsächlich eine Chance hat, Kanzlerin Angela Merkel nach zwölf Jahren aus dem Amt zu bringen. Denn: Wird die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen die dritte Niederlagen-Wahl für Schulz? Verloren hat er nach Verkündung seiner Kandidatur schon im Saarland und in Schleswig-Holstein.

Das Ergebnis: Martin Schulz hat auch in Nordrhein-Westfalen verloren. Vielleicht mehr. Das Ergebnis ist ein Desaster für die Sozialdemokraten. Zunächst hat Hannelore Kraft ihr Ziel, Ministerpräsidentin zu bleiben, weit verfehlt. Nicht nur, dass CDU-Konkurrent auf 34,3 Prozent kam, die 30,6 Prozent sind ein historisches Tief im Stammland der Sozialdemokratie. Der grüne Koalitionspartner wurde mit abgewählt und liegt gerupft bei 6 Prozent. Als fünftstärkste Kraft nur noch – denn die FDP schnitt zweistellig ab (etwa 12 Prozent), die AfD zog auch noch vorbei und erstmals in den NRW-Landtag. Ob die Linke im Landtag zu Düsseldorf vertreten sein wird? Noch ungewiss.

Der Rücktritt: Hannelore Kraft trat umgehend von allen Ämtern zurück – als SPD-Landesvorsitzende und als SPD-Landesvorsitzende. „Ich übernehme die Verantwortung für die schwere Niederlage“, sagte sie.

Die Reaktionen: War jetzt natürlich schwierig für Martin Schulz. „Ich bin auch kein Zauberer“, sagte der SPD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. Das hat auch niemand gedacht – und wirkte eher matt. Er sei „richtig getroffen“. „Diese Kritik an mir nehme ich ernst, die habe ich aufgenommen und die werden wir auch umsetzen.“ Und: „Wir müssen überlegen, was war mein Anteil daran?“ Für die politische Konkurrenz lag dessen Anteil bei nahe 100 Prozent. „Es gab für uns erkennbar Rückenwind aus der Bundespolitik und für Rot-Grün erkennbar keinen Rückenwind - insofern ist der berühmte Schulz-Effekt ein Thema von vorgestern“, sagte etwa Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Also: Der Rückenwind heißt Angela Merkel. Und sie hat am Montag die Sieger-Bilder garantiert. Sie wird Armin Laschet in Berlin einen Blumenstrauß übergeben. Und dann kommt auch noch Frankreichs neuer Staatspräsident, Emmanuel Macron, zum Antrittsbesuch. Das wird freudiger aussehen als Bilder - zum Beispiel aus dem Willy-Brandt-Haus.

Der Ausblick – für Nordrhein-Westfalen: Die CDU genoss das Ergebnis – und äußerte sich nicht zu klaren Zielpartnern. Die NRW-FDP peilt Koalitionsgespräche mit der CDU an. „Der Auftrag liegt bei der CDU. Wir stehen für Gespräche zur Verfügung, sagte Wahlgewinner und Spitzenkandidat Christian Lindner. Die gerupften Grünen sagten, dass ihre Partei für eine Jamaika-Koalition mit CDU und FDP nicht zur Verfügung stehe. Aber das wäre ohnehin Makulatur – wenn die Linke nicht reinkommt. Denn dann wäre Schwarz-Gelb möglich – für beide eine Wunschkoalition.

Der Ausblick – für den Bund: Martin Schulz hat jetzt noch eine Wahl vor sich. Am 24. September. Bundestagswahl. Dann ist er Kanzler oder er hat 0:4 verloren. Etliche CDU-Spitzenpolitiker begannen schon darauf hinzuweisen, dass noch nichts entschieden sei. Nicht dass die CDU-Wählerinnen und -Wähler denken: Ach, der Schulz! Und nicht zur Wahl gehen. Die Fakten sagen aber: Es ist im Fußball schwierig, ein 0:3 zu drehen. (BLZ)