NSA-Enthüller im NDR-Interview: Edward Snowden fürchtet um sein Leben

Während sich in den USA der Ton gegenüber dem NSA-Enthüller verschärft, weitet Edward Snowden seine europäische Gegenoffive aus. Sein weltweit erstes TV-Interview gab der 30-Jährige nun einem deutschen Sender.

Darin betont er, dass hinter den Späh-Aktivitäten der USA – anders als US-Präsident Barack Obama jüngst sagte – oft nicht der Kampf gegen Terrorismus stecke, sondern wirtschaftliche Interessen. „Wenn es etwa bei Siemens Informationen gibt, die dem nationalen Interesse der USA nutzen – nicht der nationalen Sicherheit – nehmen sie sich diese Informationen trotzdem“, sagte Snowden dem NDR vorige Woche in Moskau in dem Interview, das am Sonntagabend ausgestrahlt wurde.

„Die Öffentlichkeit hatte ein Recht, davon zu erfahren, was die Regierung in ihrem Namen tut“, begründete er seine Entscheidung, Tausende NSA-Dokumente an ausgewählte Journalisten zu übergeben. Diese sollten nun ohne seine Einflussnahme entscheiden, wann das öffentliche Interesse schwerer wiege als die Gründe für die Geheimhaltung. Er besitze keine Kopien. Dass jedoch die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, habe Obama in seiner Rede persönlich bestätigt.

Verfahren wegen Geheimnisverrats

Dass vor Bundeskanzlerin Merkel bereits andere deutsche Regierungen von der NSA ausgespäht wurden, ist laut Snowden naheliegend: „Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass jemand, der sich um Absichten der deutschen Regierung sorgt, nur Merkel überwacht und nicht ihre Berater, keine anderen bekannten Regierungsmitglieder, keine Minister oder Angehörige kommunaler Regierungen.“

Snowden sagte zudem, dass es einen Datenausstausch zwischen US- und deutschen Geheimdiensten gebe. So solle nationales Recht umgangen werden, dass die anlasslose Ausspähung des eigenen Volks verbietet.

Der Computer-Experte hatte als Angestellter eines Beratungsunternehmens Zugriff auf vertrauliche Informationen über die Spähprogramme der National Security Agency. Weil sich seine Vorgesetzten nicht für seine Bedenken dagegen interessiert hätten, dass die NSA weltweit Telefonate abhört, Mails auswertet und Regierungschefs ausspäht, hatte Snowden die Belege im vorigen Frühjahr kopiert und weitergegeben. Seither ist der 30-Jährige auf Asyl in Europa angewiesen.

Ob sein Jahresasyl in Russland über diesen August hinaus verlängert wird, ist offen. Von einer Heimkehr gehe er nicht aus, so Snowden. In den USA erwartet ihn ein Verfahren wegen Geheimnisverrats. US-Justizminister Eric Holder hatte betont, dass ein Gnadenerlass nicht infrage komme. Darüber hinaus sprach Snowden im NDR-Interview von Drohungen: „Regierungsvertreter wollen mich töten“, sagte der IT-Experte und zitierte entsprechende Medienberichte.

Das Interview in voller Länge können Sie hier ansehen.