Das Urteil ist so ausgefallen, wie die meisten Beobachter es erwartet hatten. Beate Zschäpe bekommt als Mittäterin an der Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ lebenslang. Und weil das Oberlandesgericht München noch dazu eine besondere Schwere der Schuld festgestellt hat, ist dieses „Lebenslang“ gewiss nicht nach 15 Jahren abgegolten. Die 43-Jährige könnte lange sitzen, sehr lange. Bis ins Rentenalter.

Das Urteil ist gerecht. Denn es sprechen eine Menge Indizien dafür, dass Zschäpe tatsächlich Mittäterin war. Sie hat nach dem Tod von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die gemeinsame Wohnung angezündet, wohl um Beweise zu vernichten. Sie hat die Bekennervideos verschickt. Auf Zeitungsartikeln über die Taten finden sich ihre Fingerabdrücke. Auch hat sie mutmaßliche Anschlagsorte ausgekundschaftet wie die Synagoge in der Berliner Rykestraße. Die Thüringerin war zudem vor Beginn der Mordserie eine überzeugte Rechtsextremistin. Und sie ist es immer noch.

Zschäpe ist weder zurückhaltend noch hilflos

Es kann auch keine Rede davon sein, dass Zschäpe eine zurückhaltende und von den beiden Uwes abhängige Frau (gewesen) wäre. Allein die Art und Weise, in der sie mit ihren Verteidigern umsprang, beweist, dass sie nicht zurückhaltend und hilflos, sondern vielmehr äußerst dominant war und ist. Und schließlich hat die Hauptangeklagte weder überzeugend Reue gezeigt noch offene Fragen beantwortet. Mit anderen Worten: Sie hat ihre Strafe verdient. Mitleid ist nicht angebracht.

Auch wenn die anderen Urteile teilweise überraschend milde ausfielen, kann man doch sagen, dass die Justiz ihrem Auftrag nachgekommen ist. Das Gericht hat über fünf Jahre verhandelt, Hunderte Zeugen und Sachverständige gehört und Kosten von 60 Millionen Euro nicht gescheut. Mehr kann man nicht erwarten.

Verfassungsschutz hat gemauert

Dennoch bleibt ein tiefes Unbehagen. Denn der NSU bestand vermutlich aus mehr als drei Personen. Wer also waren die anderen? Wer hat die Opfer ausgesucht und die Tatorte ausgekundschaftet? Was wusste der Verfassungsschutz, und warum gelang es trotz Dutzender V-Leute im Umfeld der Terrorbande nicht, sie rechtzeitig hochgehen zu lassen?

Der Inlandsgeheimdienst hat zur Klärung dieser Fragen nichts beigetragen. Er hat stattdessen gemauert, Akten geschwärzt und vernichtet und mehrere Untersuchungsausschüsse auflaufen lassen. Die Bundesanwaltschaft war wiederum nicht bereit, den offenen Fragen wirklich nachzugehen.

So gesehen hat der Staat das Minimum getan, mehr aber auch nicht. Das Aufklärungsversprechen von Kanzlerin Angela Merkel hat er nicht gehalten. Bedauerlicherweise.