Rechtsanwalt Mustafa Kaplan.
Foto: dpa/Daniel Reinhardt

BerlinDass sich der als mutmaßlicher Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke angeklagte Rechtsextremist Stephan E. einen türkischstämmigen Anwalt als zweiten Verteidiger genommen hat, ist an sich schon erwähnenswert. Noch mehr überrascht aber, dass es sich bei diesem Anwalt um Mustafa Kaplan handelt.

Kaplan hatte im Münchner NSU-Prozess ein Opfer des Nagelbombenanschlages in der Kölner Keupstraße vertreten. Und so wird es wohl schon in ein paar Monaten dazu kommen, dass der streitbare Strafverteidiger aus Köln zusammen mit dem in rechtspopulistischen Kreisen bekannten Dresdner Anwalt Frank Hannig darum kämpfen wird, den Rechtsextremisten E. in dessen Strafprozess vor einem allzu harten Urteil zu bewahren.

Lesen Sie auch: Fall Lübcke - Linksfraktion stieß 2015 in Recherchen auf Stephan E.

Mustafa Kaplan: „Ich bin kein Politiker, sondern Rechtsanwalt“

Kaplan, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ist Diskussionen über seine Mandantschaft gewöhnt. So hatte er etwa in einem Strafprozess im Jahre 2017 Mitarbeiter der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs e.V. vertreten, die einen offen antiwestlichen, antisemitischen und antidemokratischen Kurs vertritt.

Lesen Sie auch: Mordfall Lübcke - 46 Schusswaffen bei Tatverdächtigen sichergestellt

Im selben Jahr agierte der als Gegner der türkischen Regierungspartei AKP geltende Kaplan auch als Anwalt von Recep Tayyip Erdogan im Zivilrechtsverfahren mit dem TV-Satiriker Jan Böhmermann. Darauf angesprochen sagte er lediglich: „Ich bin kein Politiker, sondern Rechtsanwalt. Für mich ist ausschließlich der Wunsch der Mandanten bindend.“

Mustafa Kaplan wehrte sich nicht gegen Vorwürfe

Außerdem reize ihn an dem Fall „grundsätzlich die Klärung der wichtigen grundrechtlichen Fragen“. Im NSU-Prozess warfen ihm viele Nebenklagevertreter eine apolitische Haltung vor, die eine umfassende Aufklärung verhindere. Einige Kollegen griffen Kaplan dort sogar in ihren Plädoyers an, weil er sich aus ihrer Sicht mit der Aussage, ein Strafprozess sei kein politischer Untersuchungsausschuss, mit Gericht und Bundesanwaltschaft gemein mache.

Kaplan nahm die Vorwürfe gelassen hin, wehrte sich öffentlich nicht. Was zu seinem Naturell zu passen scheint, das als freundlich und bedächtig beschrieben wird. Kollegen sagen, er habe einen eigenen Kopf und beuge sich in Kollektivvertretungen nicht dem Diktat anderer Anwälte, wenn er deren Meinung nicht teile.

Kaplan erhielt Morddrohungen

Kaplan war im Alter von acht Jahren mit seiner türkischen Familie nach Deutschland gekommen. In Köln studierte er Rechtswissenschaften. Bevor er 1999 seine Anwaltszulassung erhielt und sieben Jahre später als Fachanwalt für Strafrecht anerkannt wurde, betätigte er sich auch als Journalist.

Für Schlagzeilen sorgte zuletzt ein Drohschreiben, das Kaplan im Dezember 2018 erhalten hatte. In der mit „Wehrmacht“ unterzeichneten und dem Betreff „NSU 2.0“ versehenen Mail wird mit Kindesentführung, Vergewaltigungen und Morden gedroht. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt in dem Fall.