München - Die Ladung als Zeugin in den NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages verdankt Aline S. nicht zuletzt einem alten Foto, auf dem sie mit Uwe Mundlos zu sehen ist. Auch Beate Zschäpe taucht am Rand auf. Doch S. gibt an, die Protagonisten des Nationalsozialistischen Untergrunds auf dem Bild nicht zu erkennen. „Ich schwöre“, sagte sie. Die heute 40-Jähirge gibt an, sie habe in den Neunzigern in ihren Jahren in der rechtsextremen Szene in Zwickau und auch später nie bewusst mit den beiden zu tun gehabt. Dasselbe gelte für die dritte NSU-Hauptfigur Uwe Böhnhardt.

Zeugin bezeichnet Marschner als Riesenbaby

Gut bekannt war S. aber mit Ralf Marschner, einer wichtigen Figur der damaligen rechtsextremen Szene in Zwickau – und ein V-Mann des Verfassungsschutzes. S. sagt, Marschner habe immer ein König sein wollen, „den großen Macker raushängen“ lassen. „Der war wie ein Riesenbaby“, fügt sie hinzu – eine sehr freundliche Beschreibung für einen Mann, der von vielen anderen als sehr aggressiv und Angst einflößend dargestellt wurde. Ihre eigene Motivation, damals in rechten Kreisen unterwegs gewesen zu sein, umschreibt S. heute so: „Ich habe da einfach nur Spaß gehabt.“

Die Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses am Donnerstag belegt eindrücklich, wie viele offene Fragen es um die NSU-Morde noch gibt – und wie schwierig es ist, etwas herauszufinden. Was haben womöglich auch V-Leute des Verfassungsschutzes gewusst? Waren die Taten des NSU nur das Werk von drei Rechtsterroristen? Selbst wenn es so gewesen sein sollte, muss es dann nicht eine Reihe von Mitwissern gegeben haben? Die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss versuchen sich diesen Themenkomplexen mit ihren Mitteln so gut, wie es eben geht, anzunähern.

DNA-Muster können nicht zugeordnet werden

Zu diesem Zweck haben sie auch den BKA-Beamten Carsten Proff als Sachverständigen geladen. Proff stellt sich selbst flapsig als „DNA-Vogel“ vor – um klarzumachen, worin seine Expertise liegt. Der Ausschussvorsitzende Clemens Binninger (CDU) weist den BKA-Experten darauf hin, dass an keinem der 27 Tatorte von NSU-Verbrechen DNA-Spuren des NSU-Trios gefunden worden seien. Gleichzeitig habe man aber noch 43 DNA-Muster gefunden, die bislang niemanden zugeordnet werden konnten. Die Intention von Binningers Frage ist klar: Er geht davon aus, dass es noch weitere Täter gibt. Proff nennt es ungewöhnlich, dass keine DNA der Beschuldigten gefunden wurde – andererseits könne das natürlich vorkommen, wenn Täter sich geschickt verhielten.

Vernommen wurde zudem der V-Mann-Führer von Ralf Marschner – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Gerade hier haben die Abgeordneten über den Erkenntnisdrang in Sachen NSU hinaus noch ein politisches Interesse. Die Geheimdienste waren mit einer Vielzahl von V-Leuten nah am NSU dran. Warum ist so wenig an Information herausgekommen? Was muss man daraus für den künftigen Umgang mit V-Leuten lernen? Das sind Fragen, denen man auch noch durch die Befragung weiterer V-Mann-Führer auf den Grund gehen will.