NSU-Prozess: Was führte Mundlos und Zschäpe nach Berlin?

Berlin - Eine Frau aus Berlin soll am Mittwoch im NSU-Prozess über ein angebliches Treffen mit Beate Zschäpe und Uwe Mundlos in einem Café neben der größten Moschee der Hauptstadt aussagen. Das Treffen hatte ein Wachpolizist beobachtet, der bereits als Zeuge vor dem Oberlandesgericht München (OLG) ausgesagt hatte. Nach Ansicht von Nebenklägern könnte es darum gegangen sein, Anschlagsziele des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) auszuspähen.

Der 7. Mai 2000

Der Wachmann hatte ausgesagt, Zschäpe und Mundlos hätten am 7. Mai 2000 mit einem weiteren Mann und einer weiteren Frau in dem Café gesessen. Am Abend desselben Tages habe er im Fernsehen einen Fahndungsaufruf zu dem abgetauchten NSU-Trio gesehen. Er habe sofort beim LKA Thüringen angerufen und sei gleich am nächsten Tag von Berliner Kripo-Beamten vernommen worden.

Zschäpe hat in dem Prozess zwar eingeräumt, sich irgendwann im Frühjahr oder Sommer 2000 mit Mundlos und dem dritten mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt in Berlin aufgehalten zu haben, jedoch bestritten, dass es seinerzeit darum ging, ein Anschlagsziel auszukundschaften.

Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin legte dem Gericht Beweise vor

Ins Rollen gebracht hatte die Beweiserhebung Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin. Auf seinen Antrag verfügte das Gericht, die Frau ausfindig zu machen, die bei dem angeblichen Treffen mit am Tisch saß. Narin hatte dem Gericht Fotos gezeigt und den Namen einer weiteren Frau genannt, die Anfang Dezember von BKA-Beamten in Berlin vernommen wurde. Das geht aus einem Dokument hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Bei der Zeugin, die jetzt im NSU-Prozess vernommen werden soll, handele es sich um die Zwillingsschwester dieser Frau.

Das Treffen ist ein "wichtiges Indiz"

Narin warf der Bundesanwaltschaft vor, die Relevanz des mutmaßlichen Treffens von Zschäpe, Mundlos und den beiden anderen Personen im Jahr 2000 falsch einzuschätzen. Es sei ein „wichtiges Indiz für Zschäpes Mitgliedschaft beim NSU und ihre Mittäterschaft bei der Begehung der Morde“. Der NSU soll zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordet haben, fast alle aus fremdenfeindlichen Motiven.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft sagte, ihre Behörde äußere sich grundsätzlich nicht zur Bedeutung prozessualer Beweismittel. Aus Kreisen der Bundesanwaltschaft war allerdings schon vor einigen Monaten zu hören, man halte den Wachmann dort nur für eine „Einzelstimme“, dessen Aussage sich nicht überprüfen lasse.

Wer ist der vierte Involvierte?

Bisher ist nicht geklärt, wer der Mann ist, der als Vierter bei dem mutmaßlichen Treffen in dem Café dabei gewesen sein soll. Sicherheitsbehörden hatten vermutet, es könne sich um einen Anführer der sächsischen „Blood & Honour“-Gruppierung handeln, deren Mitglieder das abgetauchte NSU-Trio unterstützten. Der Mann, so heißt es in Prozessakten, wurde damals vom sächsischen Verfassungsschutz observiert.

Der Mann soll zudem im Jahr 2000 mit der Zeugin liiert gewesen sein, die zu der angeblichen Vierergruppe in dem Café im Mai 2000 gehört haben soll. Das fanden die Ermittler bei der Suche nach ihr heraus, wie ebenfalls aus schriftlichen Unterlagen hervorgeht. (dpa)