Frau Sahin, Sie begleiten Opfer zum Prozess. Was genau machen Sie?

Wir versuchen den Opfern die Kraft zu geben, dort auszusagen. Auch im Vorfeld bemühen wir uns, die Menschen davon zu überzeugen, dass ihr Leben wieder besser werden kann. Wir sorgen darüber hinaus für den Zusammenhalt der Keupstraße. Auch haben wir sie nach dem Anschlag verschönert, damit Kunden und Besucher der Lokale wieder zu uns kommen.

Wie schwierig war das nach den Polizeipannen und Verdächtigungen?

Es war eine große Erschütterung, weil die Opfer erst einmal beweisen mussten, dass sie unschuldig und nicht die Täter sind. Da ist in den sieben Jahren bis heute eine Menge kaputtgegangen. Denn der Glauben an den Rechtsstaat war so riesengroß, dass viele schon an sich gezweifelt haben, ob sie es richtig sehen.

Und jetzt?

Wir sind erleichtert. Es wurde zwar vieles verschlampt, viele Augen wurden zugedrückt, aber früher oder später wird es Gerechtigkeit geben.

Macht Ihnen jetzt Pegida Angst?

Der Terror in Paris macht mir Angst. Pegida bekommt dadurch Stärke geschenkt. Es ist eine zusätzliche Bedrohung des Islam, dadurch dass wir alle in eine noch größere Schublade geworfen werden. Wir müssen alle mehr miteinander sprechen und einander zuhören. Das Birlikte-Fest im letzten Jahr, bei dem ganz Köln zusammen gefeiert hat, gibt mir immer noch Kraft. Die Keupstraße ist keine Muslimstraße, sie ist eine normale deutsche Geschäftsstraße.

Das Gespräch führte Astrid Wirtz