Sie schaut starr in die Kamera, trägt T-Shirt und Jeans, ihre Haare sind mal offen, mal zu einem Zopf zusammengebunden. Das Bundeskriminalamt hat die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe in der Untersuchungshaft mehrmals gefilmt, um die Video-Aufnahmen möglichen Zeugen vorzuspielen. Die Rolle, die Zschäpe in der Terrorzelle NSU spielte, ist nach Ansicht der Bundesanwaltschaft wichtiger als bisher angenommen.

Sie sei nicht nur die „Managerin des Geldes“ gewesen, sondern habe aktiv und gleichberechtigt“ an den Taten mitgewirkt, da sie den beiden mutmaßlichen Todesschützen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den Rücken frei gehalten habe, zitierte die Welt am Sonntag aus der Anklageschrift. Zschäpes Aufgabe sei es vor allem gewesen, die Terrorzelle zu tarnen und dem Umfeld Normalität vorzugaukeln. Die Bundesanwaltschaft wertet diese Rolle als unmittelbare Tatbeteiligung. Zschäpe soll sich demnächst vor dem Oberlandesgericht München als Mittäterin bei den zehn Morden verantworten, die dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ zugeschriebenen werden.

Die "liebe Schwester Beate"

Generalbundesanwalt Harald Range sagte dem Magazin Spiegel, Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe hätten „alles gemeinsam geplant, organisiert und letztendlich durchgeführt“. Bildlich gesprochen heiße dies: „Zwei Menschen haben getötet, und die dritte Person hat ,Schmiere' gestanden“, sagte Range. Als Drahtzieherin sieht er Zschäpe dagegen nicht. Sie habe gleichrangig agiert und „alle Morde mitgetragen“. Daher liege bei ihr auch eine besondere Schwere der Schuld vor, was eine Sicherungsverwahrung nach Verbüßung einer langjährigen Haftstrafe bedeuten würde.

Zschäpes Anwalt Wolfgang Heer bestreitet die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft. Dem NDR sagte Heer: „Wir halten schon jetzt die Hypothese der Bundesanwaltschaft, Frau Zschäpe sei Mittäterin, für äußerst gewagt und gehen davon aus, dass diese Hypothese nicht bestätigt werden wird.“ Anders als von der Bundesanwaltschaft behauptet habe sich seine Mandantin nicht in der Nähe der Tatorte aufgehalten, betonte Heer. „Nach unseren Informationen war Beate Zschäpe an keinem Tatort und auch nicht in der Nähe des Tatortes zugegen.“ Stimmt die These der Bundesanwaltschaft, wonach Zschäpes Rolle darin bestand, Mundlos und Böhnhardt den Rücken frei zu halten, dann ist die Frage der Anwesenheit allerdings auch nur zweitrangig. Heer kündigte an, seiner Mandantin zu raten, weiterhin zu schweigen.

Genau davon rät ihr der norwegische Massenmörder Anders Breivik jedoch ab. In einem Brief an die „liebe Schwester Beate“ vom Mai fordert er sie auf, ihren Prozess für rechtsextremistische Propaganda zu nutzen. Der Brief wurde von der Justiz beschlagnahmt und nicht zugestellt.