Man kann über den NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages allerlei behaupten. Unbestreitbar ist eines: Er hat eine seltene Karriere hinter sich. Zunächst wollten ihn viele vor allem in der Union gar nicht haben – aus parteipolitischem Kalkül und mit dem Hinweis auf die laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen. Mittlerweile hat er sich nicht nur bewährt. Mehr noch: Er leistet höchst sachorientierte, um nicht zu sagen vorbildliche Arbeit. Die für Untersuchungsausschüsse typischen Hahnenkämpfe zwischen Fraktion X und Fraktion Y bleiben aus.

Eine ganz andere Frage ist, wie tief der Ausschuss bisher zu den Wurzeln der Fahndungspannen hat vordringen können. Sicher, manches ist ans Tageslicht getreten – nicht zuletzt die vielen Schredderaktionen in den Geheimdiensten, die mehrere Verfassungsschutzchefs das Amt kosteten. Die Häufung der Vernichtung von Akten und die vielen Erinnerungslücken auf allen Ebenen lassen freilich umso mehr darauf schließen, dass da allerlei zurückgehalten wird. Der Berliner Politologe Hajo Funke beklagt jetzt nicht zufällig „eine teils massive Blockade durch einen Teil der Sicherheitsbehörden“.

Gibt es mehr als drei Köpfe des NSU?

Funke vermutet auch nicht zu Unrecht, dass der Nationalsozialistische Untergrund aus mehr als drei Köpfen bestand – nämlich Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Er bezieht dies zum Beispiel auf die Umstände des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter, an der zwei Männer und drei Fluchthelfer beteiligt gewesen seien. Die Vermutung ist also fundiert, zumal das Mord-Motiv weiter im Dunkeln liegt. Im Dunkeln liegen aber leider auch die Fakten. Der Ausschuss hat sie jedenfalls nicht klären können.

Die seltene Karriere des NSU-Ausschusses könnte ihren krönenden Abschluss durch den NSU-Prozess in München finden, der im Frühjahr beginnt. Während die Bundestagsabgeordneten ihre Arbeit im Sommer mit dem Ende der Legislaturperiode abschließen müssen, geht die Gerichtsverhandlung dann erst richtig los. Sollte Zschäpe dort auspacken, dürfte der NSU-Terror noch einmal in völlig neuem Licht erscheinen.