Bald wieder möglich: Strandspaziergänge wie vor der Corona-Krise, hier am Ostseestrand von Zinnowitz auf der Insel Usedom, Mecklenburg-Vorpommern.
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BerlinEs ist eine gute Nachricht für alle, die um ihren Sommerurlaub gebangt haben: Tourismus wird bald trotz Corona-Krise wieder möglich sein, vorerst zumindest in Deutschland. Nach Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen verkündeten auch Bayern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein am Dienstag, die Verbote in der Gastronomie und im Hotelgewerbe lockern und Tourismus vorsichtig wieder ermöglichen zu wollen. Urlaub an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern soll nach der Ankündigung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) für Übernachtungsgäste aus anderen Bundesländern ab 25. Mai und damit auch am langen Pfingstwochenende wieder möglich sein.

Am Dienstag erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dass in seinem Land vom Pfingstsonnabend an Hotels unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen dürfen. Restaurants dürfen bereits fünf Tage vorher aufmachen. In Niedersachsen will die Landesregierung an diesem Mittwoch einen Stufenplan verabschieden, wonach die Gastronomie ab Montag, Hotels und Pensionen ab 25. Mai in Betrieb gehen dürfen. Schleswig-Holstein plant Lockerungen ab Mitte Mai, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ankündigte.

Die Beschlüsse wurden von den Bundesländern jeweils im Alleingang gefällt, kurz bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Mittwoch mit den Ministerpräsidenten über weitere Lockerungen in der Corona-Krise, unter anderem für die Gastronomie, aber auch für Schulen und Kitas, beraten will.

Der Deutsche Tourismusverband DTV begrüßte die Entscheidungen der Bundesländer. „Es ist gut, dass sie endlich erkannt haben, dass Reisende und touristische Akteure eine Perspektive brauchen“, sagte DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz der Berliner Zeitung. Er appellierte aber an die Bundesregierung sowie an die Länder, für ein bundesweit einheitliches Vorgehen zu sorgen, was etwa Hygienestandards, Abstandsregeln und den Gebrauch von Schutzmasken angeht. „Es darf keinen Flickenteppich bei der Öffnung des Tourismus geben“, warnte Kunz.

Auch seien bundesweit einheitliche Vorgaben zur Lenkung von Besucherströmen notwendig. „In einigen Regionen wird man die Gästezahl begrenzen müssen.“ Bisher will etwa Mecklenburg-Vorpommern den Hotels und Pensionen eine Höchstauslastung von 60 Prozent ihrer Kapazität vorschreiben. In Niedersachsen sollen sie nur die Hälfte ihrer Zimmer vermieten dürfen.

Dass die Nachfrage aus dem Inland dieses Jahr deutlich höher sein dürfte, werde der deutschen Tourismusbranche aber keine Probleme bereiten, sagte Kunz. Im Rekordjahr 2019 habe die Auslastung trotz 500 Millionen Übernachtungen bei 50 Prozent gelegen. Zudem fielen dieses Jahr voraussichtlich die 90 Millionen ausländischen Besucher weg. Trotzdem werde es im Sommer wohl nicht für jeden möglich sein, Urlaub in den besonders beliebten Ferienregionen an Ostsee, Nordsee oder in den Alpen zu machen. „Der Tourismus wird sich besser verteilen; davon profitieren könnten Flächenländer wie Brandenburg“, prognostizierte Kunz.

Freie Unterkünfte gibt es etwa an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern derzeit noch ausreichend, vor allem Ferienwohnungen und -häuser, wie Vertreter der regionalen Tourismusverbände am Dienstag auf Anfrage erklärten.

Vor dem Spitzengespräch von Merkel mit den Länderchefs wurde bekannt, dass die Bundesregierung offenbar regionale Lockerungen von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängig machen will. Die Bild-Zeitung berichtete von einem vertraulichen Konzept, das Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) mit den Ländern beraten habe. Demnach sollen Lockerungen zurückgenommen werden, wenn ein Landkreis innerhalb von sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner verzeichnet. Er müsse dann zu den strengen Auflagen zurückkehren, die bis zum 20. April in Kraft waren. Das Kanzleramt wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hält ein regional angepasstes Vorgehen für gerechtfertigt. Natürlich sei ein gemeinsamer Plan wünschenswert, aber Variationen in Anbetracht der Situation vor Ort halte er für „normal und selbstverständlich“. Zugleich gab er zu verstehen, dass mit den Lockerungen auch das Risiko für wieder steigende Infektionszahlen wächst. Das Virus werde „so lange Krankheiten hervorrufen, bis 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert sind“. Es werde „mit großer Sicherheit“ eine zweite Welle geben.

Die erste Welle sei sehr erfolgreich bekämpft worden, betonte Wieler. Die Zahl der Neuinfektionen sei inzwischen stabil niedrig. Laut RKI erhöhte sie sich von Montag auf Dienstag um 685 Fälle auf 163.860. (mit dpa)