Johannesburg - Ein Gebärdendolmetscher hat auf der Trauerfeier zu Ehren von Nelson Mandela für Empörung gesorgt. Der von der südafrikanischen Regierung angeheuerte Mann habe bei dem Einsatz am Dienstag immer nur die gleichen vier oder fünf Gebärden wiederholt, sagte die Gebärdensprachlehrerin Naomi Janse van Vuuren. „Er hat ganz sicher nicht übersetzt, was der Redner sagte.“

Jetzt hat der Mann Gründe seine Aussetzer genannt: Er habe während der Trauerfeier Stimmen gehört und halluziniert, sagte der Mann der südafrikanischen Zeitung „Star“ (Donnerstag). Er leide unter Schizophrenie und nehme Medikamente gegen die Krankheit. „Ich konnte nichts tun. Ich versuchte, mich zu kontrollieren und der Welt nicht zu zeigen, was los war“, erklärte er.

Gehörlose hatten empört auf die falschen Übersetzungen reagiert. Der Chef der südafrikanischen Gehörlosenvereinigung, Bruno Druchen, sprach am Mittwoch von einer „Verhöhnung der Sprache“. Der ihm unbekannte Dolmetscher habe etwa nicht die bekannten Gebärden für Mandela oder Präsident Jacob Zuma verwendet. Außerdem habe er keine Miene verzogen. Körpersprache ist für das Verständnis der Gebärdensprache unerlässlich. Gehörlose Menschen in Südafrika konnten deshalb an diesem wichtigen Ereignis nicht teilhaben. (dpa)