Berlin - Es ist gerade mal 18 Jahre her, dass das Bundespräsidialamt für 46 Millionen Euro im Berliner Tiergarten gebaut wurde. Vor elf Jahren wurde Schloss Bellevue saniert. Nun ist das Präsidialamt mit der schwarzen Außenhaut nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen sanierungsbedürftig und perspektivisch auch das Schloss. Dies bestätigten eine Sprecherin von Bundespräsident Joachim Gauck und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.

„Es ist richtig, dass es im Verwaltungsgebäude einen Sanierungsbedarf gibt“, sagte Gaucks Sprecherin der Berliner Zeitung. Das Bundesamt sei „beauftragt worden, eine Vorplanung für die gebotenen technischen und energetischen Maßnahmen aufzustellen. Diese Planung befindet sich noch in der Anfangsphase.“ Erst nach Abschluss der Untersuchungen könnten Umfang, Zeitrahmen, Kosten und Auswirkungen benannt werden. Mit einem Ergebnis sei in der zweiten Jahreshälfte 2017 zu rechnen.

Die Sprecherin fügte hinzu: „Es ist richtig, dass die anstehenden Sanierungsarbeiten auch brandschutzrechtliche Mängel im Verwaltungsgebäude betreffen werden.“ Das Bundespräsidialamt  sei die Probleme insoweit angegangen, als es durch organisatorische Maßnahmen die Betriebssicherheit des Hauses gewährleiste und dafür sorge, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht gefährdet seien. Entgegen anders lautender Einschätzungen stünden Abriss und Neubau nicht zur Debatte. Dies könnte Insidern zufolge die einfachere Variante sein.

Schloss soll voll funktionsfähig sein

„Sanierungsbedarf hat auch das Schloss Bellevue“, räumte die Sprecherin weiter ein. „Das Dach und die Belüftungsanlagen entsprechen nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Amtssitz des Bundespräsidenten.“ Allerdings sei der Bedarf hier noch nicht so gravierend, als das jetzt unmittelbar ein Planungsauftrag erstellt werden müsste. Das Schloss sei voll funktionsfähig. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung erklärte dieser Zeitung, für „eine etwaige Ertüchtigung der Haustechnik“ gebe es bisher lediglich einen Prüfauftrag. Die Probleme mit beiden Gebäuden sind laut Bundespräsidialamt „seit einiger Zeit“ bekannt. Nach Informationen der Berliner Zeitung wurden Entscheidungen indes verschleppt. Chef des Bundespräsidialamtes ist der Staatssekretär David Gill.

Die Tatsache, dass die Würfel frühestens im Juli 2017 und wahrscheinlich sogar deutlich später fallen, bedeutet nun notwendigerweise, dass Gaucks Nachfolger und dessen Präsidialamtschef mit den Folgen konfrontiert sein werden. Der kommende Bundespräsident wird schließlich im Februar gewählt. Wenn Amt und Schloss saniert werden müssten: Wohin dann mit den zu empfangenden Staatsgästen – und den rund 180 Mitarbeitern? Repräsentative Ausweichquartiere und einschlägige Funktionsbauten sind so einfach nicht zu haben. Und die letzte Sanierung des Schlosses hat über ein Jahr gedauert.

Es stellen sich also allerlei mehr oder weniger dringliche Fragen. Das nächste Staatsoberhaupt dürfte sich für die Antworten ganz gewiss brennend interessieren.