OECD und UNHCR: Aktionsplan soll Flüchtlinge besser integrieren

Berlin - Sprachbarrieren abbauen, Rechtssicherheit schaffen, Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammenbringen: Mit einem Aktionsplan wollen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt erleichtern. „Wir sind in Deutschland gegenwärtig in einer kritischen Phase“, sagte Thomas Liebig, leitender Ökonom der Abteilung für Internationale Migration der OECD, bei der Vorstellung des Plans am Freitag in Berlin. Die Herausforderung der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt habe sich nicht 2015 während der großen Flüchtlingsbewegung gestellt, sondern stelle sich jetzt. „Denn jetzt sind die Menschen bereit, in den Arbeitsmarkt einzutreten.“

Um allen Beteiligten diesen Schritt zu erleichtern, haben OECD und UNHCR zehn Bereiche ausgemacht, die „entscheidend“ sind. Dafür wurde bei mehr als 150 Arbeitgebern, aber auch Flüchtlingen und staatlichen Stellen in Europa, USA und Kanada abgefragt, welche Erfahrungen sie bislang mit dem Thema gemacht haben. Herausgekommen ist ein Plan, der sich sowohl an Arbeitgeber, Unternehmerverbände und Behörden als auch an Flüchtlinge und gesellschaftliche Organisationen richtet.

Zunächst werden die rechtlichen und administrativen Aspekte in den Blick genommen. „Hier gilt es, Transparenz zu schaffen“, sagte Liebig. Das gelte für Unternehmen genauso wie für Flüchtlinge, die wissen müssten, was sie dürfen und was nicht.

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollen Schulungen erhalten

Der Plan empfiehlt etwa Behörden, entsprechende Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Personalabteilungen anzubieten. Daneben könnten die relevanten Informationen gebündelt über Broschüren, Webseiten oder spezielle Hotlines zur Verfügung gestellt werden.

Viele Arbeitgeber treibt nach Angaben von OECD und UNHCR aber auch die Frage um, wie sie mit dem oft unsicheren Aufenthaltsstatus der Menschen umgehen sollten und ob sich Investitionen in einen Flüchtling in einer solchen Situation lohnten. „Für uns ist hier die 3+2-Regelung in Deutschland ein gutes Beispiel“, sagte OECD-Ökonom Liebig. Die Regel stellt sicher, dass ein Flüchtling, der in Deutschland eine Ausbildung begonnen hat und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, auch dann seine Lehre abschließen und im Anschluss zwei Jahre beschäftigt werden kann, wenn sein Asylantrag abgelehnt wird.

Neben den rechtlichen Aspekten gibt der Aktionsplan auch Empfehlungen, wie mit vorhandenen, aber auch fehlenden Kompetenzen von Flüchtlingen umgegangen werden kann. „Auch wenn jemand nur ein Schnupperpraktikum macht, könnte der Arbeitgeber ein Kompetenzprofil erstellen“, riet Liebig. Das helfe insbesondere zukünftigen Arbeitgebern, die den Flüchtling dann besser einschätzen könnten und wüssten, was er oder sie noch brauche.
„Wir müssen uns aber auch mehr Gedanken machen, wie man die berufsbegleitende Sprachförderung verbessern kann“, sagte Stefan Hardege, der das Referat Arbeitsmarkt und Zuwanderung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) leitet. Für den Beruf reichten die Sprachkompetenzen aus dem Integrationskurs nicht aus. „Wir wünschen uns hier mehr Flexibilität“, sagte Hardege. Als Beispiel nannte er das Problem, dass weiterführende Sprachkurse oft nur bei einer Mindestanzahl an Teilnehmern stattfänden.

Daneben enthält der Plan Empfehlungen zur Frage, wie bei einer Einstellung Chancengleichheit zwischen Flüchtlingen und anderen Bewerbern gewährleistet werden kann. Auch das zukünftige Arbeitsumfeld der Flüchtlinge und wie es sich für die neuen Mitarbeiter anpassen lässt, ist ein Thema.

Erhältlich ist der Plan beim OECD Berlin Centre (http://www.oecd.org/berlin/).