MDR-Redakteur fordert nach AfD-Erfolg: „Boykottiert den Landkreis Sonneberg“

Nach dem Sieg eines AfD-Kandidaten bei der Landratswahl im thüringischen Sonneberg ruft ein Mitarbeiter des ÖRR dazu auf, den Kreis „auf allen Ebenen“ zu meiden.

AfD-Landratskandidat, Robert Sesselmann, gibt auf der AfD-Wahlparty Interviews.
AfD-Landratskandidat, Robert Sesselmann, gibt auf der AfD-Wahlparty Interviews.imago

Nach dem AfD-Erfolg bei der Landratswahl in Sonneberg hat ein Redakteur des MDR dazu aufgerufen, den thüringischen Landkreis zu boykottieren. „Schützt die Demokratie und boykottiert den Landkreis Sonneberg im Tourismus, in der Wirtschaft und auf allen Ebenen“, schrieb Michael Voß auf Twitter. „Es darf später nicht wieder heißen, man habe es nicht gewusst.“

Im südthüringischen Kreis Sonneberg war am Sonntag erstmals in Deutschland ein AfD-Kandidat zum Landrat gewählt worden. Dies hatte die Debatte über den aktuellen Höhenflug der AfD auch in bundesweiten Umfragen weiter angefacht, in denen sie um die 20 Prozent rangieren. Der Landes-Verfassungsschutz bewertet die Thüringer AfD als „gesichert rechtsextrem“, bundesweit stuft der Verfassungsschutz die Partei als Verdachtsfall ein.

In einem weiteren Tweet stellte Voß klar: „Ich schreibe hier privat meine Meinung entsprechend der im Artikel 5 im Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit. Oder hat Ihr Arbeitgeber etwas mit Ihren Tweets zu tun? Sehen Sie? Meiner auch nicht.“

Es dürfe später nicht wieder heißen, man habe es nicht gewusst, begründete der MDR-Redakteur Voß seinen Aufruf. Voß arbeitet als Chef vom Dienst beim Nachrichtenradio MDR Aktuell, ist dort also in leitender Funktion tätig.

Am Mittwochnachmittag meldete sich Voß abermals auf Twitter zu Wort: „Ich habe mich während des Urlaubs im Ausland in den Sozialen Medien zur Landratswahl in Sonneberg geäußert. Ich bedauere, dass dabei der Eindruck entstanden ist, dieses sei die Meinung des MDR. Das war und ist nicht mein Anliegen.“ Eine Trennung zwischen privat und beruflich sei ihm sehr wichtig. Deshalb hätten seine Internetangebote auch für jeden nachlesbar den Hinweis „Hier privat unterwegs.“ (mit dpa)