Wien/Dubai - Rund 250.000 Menschen haben bis Donnerstagmittag eine Online-Petition zugunsten einer Österreicherin unterschrieben, der in Dubai nach einer angeblichen Vergewaltigung selbst Haft droht. Die Unterzeichner wenden sich an Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), der sich „persönlich für die umgehende Freilassung“ der 29-jährigen Frau einsetzen solle. Der Fall sei die erste internationale Bewährungsprobe für den 27 Jahre alten Außenminister, sagte Kampagnenleiter Christoph Schott der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Kurz stehe mit den Emiraten in Kontakt und habe ein hochrangiges Krisenteam entsandt, hieß es am Mittwoch aus dem Außenministerium.

Verdachts des außerehelichen Geschlechtsverkehrs

Die 29-Jährige ist nach eigener Aussage am 1. Dezember in der Tiefgarage eines Hotels in Dubai vergewaltigt worden. Nach ihrer Anzeige geriet sie selbst ins Visier der Justiz, die wegen des Verdachts des außerehelichen Geschlechtsverkehrs ermittelt. Dies ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten strafbar. Die Auswertung von Überwachungskameras soll Klarheit bringen.

„Das bisherige Ergebnis liegt weit über den Erwartungen“, sagte Kampagnenleiter Schott am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa über die Unterschriften. Neben dem Appell an Kurz werde damit indirekt auch auf Dubai Druck ausgeübt. Das Netzwerk Avaaz habe seit seiner Gründung 2007 etwa 1000 Petitionen auf den Weg gebracht. Als großer Erfolg gelte die Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter in Bangladesch nach dem Fabrikeinsturz mit vielen Toten.

Die Situation der Wienerin ist nach Ansicht von Experten brisant, weil sie Muslimin ist und damit eher mit Härte als mit Milde zu rechnen habe. Unabhängig von dem Vergewaltigungsvorwurf sei der vorangegangene Bar-Besuch für eine Muslimin kritisch, sagte vor kurzem der Mitbegründer der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ), Amer Albayati. Bei einer Rückkehr werde die Frau wohl auch von ihrer Familie nicht mit offenen Armen empfangen. Die 29-Jährige, die ihren Pass abgeben musste, lebt zurzeit bei Freunden in Dubai und wird von der Botschaft betreut.

Der Fall erinnert an den der Norwegerin Marte Deborah Dalelv. Die 24-Jährige war 2013 von einem Gericht in Dubai zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden. Auch sie hatte eine Vergewaltigung angezeigt, wurde aber wegen Alkoholmissbrauchs und außerehelichem Geschlechtsverkehr inhaftiert - und kurz darauf begnadigt. (dpa)