137 Mal hat der Grünen-Politiker Volker Beck in der vergangenen Legislaturperiode im Bundestag gesprochen – so oft wie kein anderer Bundestagsabgeordneter. Auf den zweiten Platz kommt der Grüne Hans-Christian Ströbele (133 Reden). Und auch der dritte Platz bleibt bei den Grünen: Britta Haßelmann stand 128 Mal am Redner-Pult. Zum Vergleich: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach 55 Mal.

Zu diesem Ergebnis kann jeder kommen, der die Zeit hat, sich die 245 Bundestagsprotokolle anzusehen, die online für jeden abrufbar sind. Man kann aber auch einfach die Seite www.offenesparlament.de ansurfen. Denn die Datenschule der Open Knowledge Foundation Deutschland und die Transparenzinitiative abgeordnetenwatch.de haben jetzt eine Internetseite an den Start gebracht, auf der man mit nur wenigen Klicks umfangreiche Datenanalysen erhält. So erfährt man zum Beispiel, wie viel Zeit das Plenum mit welchen Themen verbracht hat, zu welchen Bereichen welcher Politiker gesprochen hat, wie viel Redezeit er hatte und welchen beruflichen Hintergrund die Sprecher haben. Alle Daten, die die Seite verwendet, sind online auf der Seite des Deutschen Bundestags abrufbar, allerdings als Rohdaten: Unhandlich und wenig nutzerfreundlich.

Die häufigsten Sprecher und Sprecherinnen

Man habe die Daten nicht verändert, sondern sie lediglich in einer anderen Form dargstellt, erklären die Macher. „Der Bundestag kommt zwar seiner Veröffentlichungspflicht der Plenarprotokolle in Form von endlosen PDFs nach, für uns ist dies aber kaum ein ‚ausreichend‘“, erklärte Boris Hekele, Geschäftsführer von abgeordnetenwatch.de.

Eine Zivilgesellschaft brauche Tools, die eine fundierte Recherche und besseres Monitoring der politischen Prozesse ermöglichen, sagte auch Helene Hahn, die Projektleiterin der Datenschule. „OffenesParlament.de schafft hierfür ein Angebot.”

Die häufigsten Themen im Bundestag

Mit Abstand häufigsten debattierte man im Bundestag der vergangenen Legislaturperiode über das Thema Gesellschaftspolitik und soziale Gruppen. Ganze 252 Stunden ging es darum. Wirtschaftsthemen landen mit 193 Stunden auf dem zweiten Platz, Außenpolitik und internationale Beziehungen mit 192 Stunden auf den dritten. Über Sport, Freizeit und Tourismus gab es am wenigsten Diskussionen (15 Stunden).

Interessant auch: Die Redezeit zum Thema Zuwanderung hat sich zwischen 2014 und 2016 von 14 auf 32 Stunden mehr als verdoppelt, die zum Thema Europapolitik ist geringer geworden: Haben sich 2014 noch 61 Tagesordnungspunkte mit europapolitischen Fragen beschäftigt, sind es 2016 nur noch 40. 

Hintergrund der Abgeordneten nach Themen

Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg hielten die meisten Reden in der vergangenen Legislaturperiode. Sie haben aber auch die höchsten Einwohner und damit mehr Wahlkreise, so dass aus diesen Ländern auch mehr Abgeordneten in den Bundestag ziehen.

Nur rund 37 Prozent der Abgeordneten sind Frauen, das zeigt sich natürlich auch in der Anzahl der Reden. In 24 der 27 Themenfelder hielten Männer daher auch mehr Reden als Frauen – nur in den Bereichen Zuwanderung, Kultur und Gesundheit sprachen weibliche Abgeordnete häufiger als Männer. Genauer betrachten die Analysten in ihren Auswertungen die Griechenland-Krise, den Abgasskandal, das EU-Türkei-Abkommen oder den Syrien-Krieg.