Generalmajor Heinrich-Wilhelm Steiner (l) übergibt  im Informationstechnikbatallion 381 die Truppenfahne an die neue Kommandeurin des Batallions, Oberstleutnant Anastasia Biefang.
Foto: dpa/Bernd Settnik

BerlinIm Folgenden geht es um die wunderbare Geschichte von Bataillonskommandeurin Anastasia B. in der Bundeswehr. Aber bevor ich darauf komme, seien einige allgemeine Hinweise zur Schönheit Deutschlands vorangestellt. Bei einer kleinen Gartenparty am vergangenen Freitag schwärmte mir eine amerikanische Gastprofessorin vor, wie angenehm es doch in Berlin sei: Anders als in den USA könnten ihre Kinder hier zur Schule radeln und würden wie selbstverständlich bei Freunden übernachten. Derart simple Dinge seien in ihrer Heimat unmöglich. Die Kinder wollen deshalb in Deutschland bleiben. Seitdem meine Pariser Schwiegertochter wegen vorzeitiger Wehen ein paar Tage in einer bayerischen Klink behandelt wurde und später wegen altersüblicher Verletzungen ihrer Söhne mit deutschen Arztpraxen in Kontakt kam, schwärmt sie vom hiesigen Gesundheitssystem. Als Corona drohte, wusste sie sofort, wohin sie samt Familie fliehen würde. Sie wählte richtig und fühlte sich sehr wohl.

Gewiss teilen nicht alle meine Leserinnen und Leser den Satz „Oh, wie schön ist Alemannia“. Anders als in dem Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ handelt es sich im Fall von Deutschland nicht um Traum und Schaum, sondern um eine Realität, die sich auch in der Bundeswehr zeigt.

Nachdem ich am vergangenen Donnerstag ziemlich dämliche Post beantwortet hatte, zappte ich mich mittelgelaunt durchs TV-Programm und blieb beim WDR hängen. Da lief die Dokumentation „Anastasia: Oberstleutnant, Kommandeurin, Transgender“.

Ganz frisch ist die Geschichte nicht. Aber für einen guten Film ist es nie zu spät. Dieser handelt von der Berufssoldatin Anastasia Biefang, ihres Zeichens Bataillonskommandeurin der Bundeswehr. Nach zwei Jahrzehnten als männlich eingestufter Berufssoldat hatte sie sich - ihrem schon lange gehegten Wunsch folgend - geschlechtsangleichenden Maßnahmen unterzogen. Seither lässt sie sich als Frau ansprechen. Ihr derzeitiger Einsatz als Kommandeurin des Informationstechnikbataillons 381 in Storkow nahe Berlin macht der glänzend ausgebildeten Berufsoffizierin sichtlich Freude – Afghanistan-Einsätze inklusive.

Das Schöne an dem Film sind die offenen Reaktionen der Eltern, der Dienstvorgesetzten Bifangs wie auch der untergebenen Offiziere und Kameraden. Die selbstverständliche Leichtigkeit und der Witz, mit dem das Coming-out 2015 über die privaten und militärischen Bühnen ging, beweisen einen hoch angenehmen Kulturwandel. Man erinnere sich nur an die Kießling-Affäre anno 1983/84. Damals wurde der Vier-Sterne-General Günter Kießling auf Wunsch von Verteidigungsminister Manfred Wörner und unter tätiger Beihilfe von Bundeskanzler Kohl (beide CDU) unehrenhaft aus der Bundeswehr verstoßen, nur weil irgendjemand im Nato-Hauptquartier behauptet hatte, er sei homosexuell. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, den Film über Oberstleutnant Anastasia Biefang noch nicht gesehen haben, dann sollten sie das jetzt nachholen. Geben sie einfach die Begriffe Anastasia Mediathek und WDR in Ihre Suchmaschine ein, schon können Sie starten. Sie erleben darin gesellschaftspolitischen Wandel vom Besten und völlig frei von aufgeregtem Getue um geschlechtsneutrale Toiletten. Wenn Deutschland sich auf diese Weise weiterentwickelt, dann bleiben die Aussichten gut. Dazu bedarf es umsichtiger Politik, statt identitärer Symbolschlachten.