Für den Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, war die diesjährige Tagung die bedeutendste, die er jemals organisiert hat. Das jedenfalls sagte er zur Einleitung der Konferenz in der bayerischen Landeshauptstadt. Vermutlich war das auch dem Umstand geschuldet, dass die diesjährige Konferenz die letzte war, der er als Leiter vorstand. Im nächsten Jahr wird der ehemalige Sicherheitsberater von Kanzlerin Angela Merkel, Christoph Heusgen, übernehmen. Vielleicht läuft vieles dann wieder in ruhigerem Fahrwasser, vielleicht auch nicht.

Die Konferenz von 2022 wird aus vielen Gründen eine bemerkenswerte bleiben. Sie ist die erste, die nach der pandemiebedingten Verlagerung ins Internet nun zumindest wieder in hybrider Form stattfand. Die politischen Gäste reisten an, ein Großteil der Journalisten konnte sich nur online zuschalten, was leider auch nicht immer klappte. Gewichtiger als das aber war das Fehlen einer Delegation, die in den vergangenen Jahren immer dabei war. Dieses Mal aber hatten die Russen komplett abgesagt.

So blieb der Westen im Großen und Ganzen unter sich – die Regierungschefs, Ministerinnen und Minister versicherten einander gleich noch einmal den großen Schulterschluss gegen Russlands mutmaßliche Kriegspläne. Das Räsonieren über Putins mutmaßliche Absichten, kurzfristig und auch mittelfristig, bildete den roten Faden des Treffens, das passenderweise unter dem Motto „Unlearning Helplessness“ stand – die Hilflosigkeit verlernen.

So kritisch die Anmerkungen gerade über Bundeskanzler Olaf Scholz in den vergangenen Wochen waren: Nach den vergangenen drei Tagen muss man erneut konstatieren, dass der SPD-Politiker auch Klartext sprechen kann. Man sollte ihn nur auf Englisch ansprechen, dann fallen viele wolkige Sprachgebilde weg. Schon allein das darf als Argument dienen, die internationale Konferenz auch im nächsten Jahr fortzuführen. Dann vielleicht auch mit mehr kritischen Journalisten vor Ort.