Die erste Hürde ist geschafft: Olaf Scholz ist Spitzenkandidat seiner Partei. Nun muss er noch in einem Wahlkreis nominiert werden.
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BerlinDer legendäre Karl Valentin sagte einst: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Das gleich kann auch über die Demokratie gesagt werden. Das zeigt das Beispiel der Bundestagskandidatur von Olaf Scholz, dem Bundesfinanzminister und beliebtesten Politiker der SPD.

Der will gern Kanzler werden und in den Bundestag einziehen. Dafür benötigt er aber erst einmal einen Wahlkreis, in dem ihn die SPD aufstellt. Scholz will es in seinem Wohnort Potsdam probieren. Doch da gibt es auch kritische Stimmen – ganz nach dem Motto: Das war der einzige Wahlkreis, den die SPD bei der letzten Wahl in ganz Ostdeutschland erobern konnte – warum muss da ein Wessi antreten?

Für Scholz beginnen nun die Mühen der Ebene. Er ist zwar der Kanzlerkandidat der Parteiführung, aber jetzt muss er sich erstmal vor Ort durchsetzen, muss beweisen, dass er nicht der von oben durchgedrückte Kandidat ist, dass es in der SPD eine innerparteiliche Demokratie gibt. Er muss zeigen, wie basistauglich er ist.

Die ganze Sache ist beileibe keine Selbstläufer. Denn in der SPD geht es nicht nur um Personen oder ihre Umfragewerte, sondern gern auch mal etwas mehr um Inhalte. Da werden nicht immer die bekanntesten Kandidaten gekürt, das bewies der Kampf um den Parteivorsitz und der Sieg von Saskia Espen und Norbert Walter-Borjans über Herrn Scholz und Frau Geywitz.

Es scheint trotzdem recht unwahrscheinlich, dass dieser bürgerliche Kandidat im bürgerlichen Potsdam nicht aufgestellt wird. Was hätten die Genossen davon, außer dass sie ihre Partei zum Gespött machen. Sie könnten sich stolz als „Kanzlerkandidatenverhinderer“ darstellen und sagen, dass sie es denen da oben mal so richtig gezeigt haben. Für die SPD hieße das, dass sie mit ihrem beschädigten Kandidaten bei der Wahl recht sicher unter zehn Prozent fallen würden.