Kopenhagen - Groß, blond, in viel zu kurzen Hosen und gelben Socken, die langen Beine ebenso ständig wie vergebens bemüht, durch Hopser und Hüpfer im Takt zu bleiben mit dem Schrittmaß der beiden Gangsterkollegen vorn und hinten: So sah er aus, der große Auftritt des Morten Grunwald in der Filmgeschichte.

Grunwald, 1934 im dänischen Odense als Sohn eines Schnitzers geboren, war seit 1968 „Benny Frandsen“ neben Egon Olsen und Kjeld Jensen eines der Mitglieder der Olsenbande, jenem unglücklich agierenden Verbrechertrio, das es vor allem in der DDR zu unvergesslichem Ruhm schaffte.

Ganze Generationen waren verzaubert von Benny, der Handwerker unter den drei tollpatschigen Möchtegern-Millionären, mit seiner Fähigkeit, beliebige Fahrzeuge zu fahren und jeden Automaten mit einem geheimen Blechhaken öffnen zu können.

Wo Egon Olsen altväterlich wirkte und Kjeld viel zu furchtsam, strahlte aus Grunwalds Benny trotziger Verliererstolz, den der Vater einer Tochter auch im richtigen Leben behauptete. Nach dem Erfolg des ersten Filmes war er es, der bei der Produktionsfirma höhere Gagen für sich und seine Kollegen verlangte. Die weigerte sich ein Jahr lang, so dass nicht weitergedreht werden kennte. Dann lenkte sie ein.

Film-Benny starb am 14. November im Alter von 83 Jahren an Lungenkrebs

„Das war unerhört, so was machte man nicht“, erinnert sich Morten Grunwald in seiner Autobiografie „Meine Tage in gelben Socken“, in der er, nach dem Tod von Ove Sprogøe alias Egon und Poul Bundgaard alias Kjeld das letzte lebende Bandenmitglied, lustige und tragische Anekdoten, kurze Begebenheiten am Rande der Dreharbeiten und Geschichten aus dem Nähkästchen der Olsenbande aneinanderreihte.

Geschichten eines unerwarteten Aufstiegs. Grunwald war erst mit Mitte 20 an die Schauspielschule des Königlichen Theaters in Kopenhagen gekommen. Er hatte dann in einer Agentenkomödie gespielt und war über einen vom späteren Olsenbanden-Regisseur Erik Balling gedrehten Schwank in die Besetzungsliste der Filmverbrecherbande geraten, die sein Leben prägen sollte.

Zwei, drei Filme waren anfangs nur geplant. Dann aber begann mit dem dritten erst, was heute als ein Grund für den Kult um den Film gilt: Die immergleichen Handlungsschemata werden so kunstfertig um die immergleichen Macken der bis in die Nebenrollen hinein immergleichen Darsteller gewickelt, dass jeder Moment gleichzeitig neu und bekannt, absehbar und überraschend war.

Die Kinosäle johlten. Mit „Die Olsenbande fährt nach Jütland“ entstand 1971 der bis heute wirkungsmächtigste Teil der Saga. „Es war eine Freude, wir spürten alle, jetzt hatten wir's“, sagte Grunwald selbst, der seinen berühmtesten Spruch allerdings der DDR-Zensur verdankt. Die änderte das Original „Skide godt“, zu Deutsch etwa scheißgut, in „mächtig gewaltig“ - Worte, die Morten Grunwald, der sie nie gesagt hat, sicher überleben werden. Der Film-Benny starb am 14. November im Alter von 83 Jahren an Lungenkrebs. (mz)