Tinder hat seine App für mehr Optionen bei der Angabe der Geschlechtsidentität geöffnet. Während man auf Facebook bereits seit 2014 aus 50 Geschlechtern auswählen kann, hatten Tinder-Nutzer in Deutschland bisher nur zwei Optionen: Mann oder Frau.

Seit Ende Juni ist das anders: Mit dem neuen Feature „More Genders / Geschlechtervielfalt“ kann ausgewählt werden, welche Bezeichnung die eigene geschlechtliche Zugehörigkeit am besten beschreibt und ob das Geschlecht überhaupt im Profil sichtbar sein soll.

Die Optionen sind nicht fest vorgegeben. Stattdessen klickt man beim Bearbeiten der Profileinstellungen im Menüpunkt "Geschlecht" auf "mehr" und muss dann selbst ein Stichwort wie "trans" oder "inter" eingeben, um die zahlreichen Auswahlmöglichkeiten angezeigt zu bekommen.

"Wir hoffen, dass dieses Update dazu beiträgt, dass unsere Transgender und gender non-confirming Nutzer sinnvollere Matches erhalten und Tinder für sie zu einer positiven Erfahrung wird”, sagt Jonathan Badeen, Mitgründer und Chief Strategy Officer von Tinder, über diesen Schritt.

In den USA, Großbritannien und Kanada steht das Feature bereits seit November 2016 zur Verfügung und ist dort offenbar ein Erfolg: Seit der Einführung habe es 13 Millionen Matches unter Menschen gegeben, die sich selbst außerhalb der binären Geschlechterordnung identifizieren, teilte der 2012 gegründete Online-Konzern mit.  

Gemeinsam mit Aktivisten gestaltet

Neben Deutschland wird das Feature auch in Spanien und Frankreich eingeführt. Für die Einführung arbeitete Tinder mit Trans*Aktivist_innen und Organisationen wie GLAAD, Transgender Europe sowie der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti e.V.) zusammen. Die gesammelten Dating-Erfahrungen der Befragten, sowohl mit der App als auch außerhalb, beeinflussten die Auswahl der Optionen.

„Die Natur kennt nicht nur schwarz oder weiß, nein sie kennt unendlich viele Graustufen, wieso sollte dieses ausgerechnet bei den Geschlechtern anders sein?“, sagt Andrea F. Ottmer vom Vorstand der dgti. „So ein Update kann dazu beitragen, mit festgefahrenen Klischees über Zweigeschlechtlichkeit aufzuräumen.”

In Deutschland werben drei Transgender-Persönlichkeiten für die neue Funktion: Model Pari Roehi, Sportler Balian Buschbaum und Model Benjamin Melzer. Eine ähnliche Kampagne hatte es bereits im vergangenen Herbst zum Launch des US-Updates gegeben: Damals warben unter anderem die Bloggerin Billie Lee, Model Laith Ashley de la Cruz und DJ Munroe Bergdorf für das Feature. 

Auch beim Thema Ehe für alle zeigt sich Tinder fortschrittlich: Homosexuelle Paare, die sich über die Dating-App kennengelernt haben und ihre Geschichte unter dem Hashtag #TinderSuccessStory auf Instagram teilen, können die Finanzierung ihrer Traumhochzeit gewinnen. Die Teilnahme ist allerdings US-Bürgern vorbehalten. Hierzulande ist die Zeit offenbar noch nicht reif dafür.