Der fotografierte Bildschirm zeigt die Hochzeit von Avinash Singh Bagri und Kirti Agrawal in Indien.
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Neu-DelhiKirti Agrawal und Avinash Singh Bagri hatten das perfekte Hochzeitsdatum: einen Frühlingstag, den Astrologen schon Monate zuvor anhand von Horoskopen bestimmt hatten. Das ist in Indien bei Hindu-Paaren so üblich. Die beiden 31-Jährigen und ihre Familien hatten schon fast alles für ihr 10.000-Gäste-Fest organisiert – doch dann kamen Corona und eine der weltweit striktesten Ausgangssperren.

Zunächst verzweifelt hörten die Familien von einem Hochzeitsplaner, der ihnen helfen konnte, wie der Bräutigam erzählt. Sie hätten das Fest kleiner ausfallen lassen müssen: beschränkt auf die wichtigsten 80 Familien. Diese hätten eine Einladungskarte mit einem Link zu einer Zoom-Videokonferenz erhalten, wie sie inzwischen viele aus dem Homeoffice kennen.

Die eigentliche Hochzeit fand bei der Schwester des Bräutigams statt – mit dem Hochzeitspaar, der Schwester und deren Mann. Alle anderen Familienmitglieder und die Gäste sahen an Bildschirmen zu. Damit das Make-up der Braut passte, hatte der Hochzeitsplaner eine Schminkexpertin organisiert, die die Schwester per Videoanruf Schritt für Schritt anleitete. Ebenfalls aus der Ferne leitete ein Priester durch die Zeremonie, ein Musiker trommelte, eine Sängerin sang.

Viele der Gäste hätten in ihren Wohnzimmern zu tanzen begonnen, sagt der Bräutigam. Er und seine Frau vermissten zwar ihre nahen Angehörigen – sehen für diese aber auch eine positive Seite: „Bei einer normalen Hochzeit wären sie total gestresst herumgerannt, um sich um die Gäste zu kümmern und letzte Dinge zu regeln“, sagt die Braut. „Aber jetzt konnten sie einfach alles genießen.“

Kaum noch Arbeit für die riesige Hochzeitsindustrie

In der Tat sind bei gewöhnlichen indischen Hochzeiten immer viele Dekorateure, Köche, Unterhalter und andere Anbieter dabei, die gemanagt werden müssen. Es gibt Millionen von ihnen in der riesigen Hochzeitsindustrie des zweitbevölkerungsreichsten Landes der Welt mit 1,3 Milliarden Einwohnern.

Inzwischen haben viele in einer Branche, die lange als rezessionsresistent galt, keine Arbeit mehr. Viele Hochzeiten werden verschoben oder abgesagt – trotz der lange zuvor berechneten, vermeintlich glücksbringenden Termine. „Niemand möchte sich mehr auf Termine festlegen“, sagt Eventveranstalterin Tanaz Wadia aus Mumbai. Obwohl die Ausgangssperre in Indien trotz rasch steigender Corona-Infektionszahlen zunehmend gelockert wird, glaubt sie, dass große Hochzeiten erst im Winter des kommenden Jahres zurückkehren werden.

Heiraten mit Abstand auf Sri Lanka: Das Brautpaar Nalinda Jayasundara und Chathurika Jayasundara (l.) begrüßt seine Trauzeugen.
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Anders sieht das südlich von Indien auf Sri Lanka aus. Dort sind große Hochzeiten ebenfalls die Norm - und seit kurzem sind dort zumindest Feste mit bis zu 100 Gästen wieder erlaubt. Bedingung ist, dass die Gäste mindestens einen Meter Abstand halten.

So haben kürzlich Chathurika Jayasundara und Nalinda Jayasundara geheiratet. Das buddhistische Paar wollte sein glückbringendes Datum nicht verpassen. „Aber wir fühlten uns mit den ganzen Einschränkungen schon ziemlich unwohl während der Zeremonie“, erzählt der Bräutigam. „Und wir haben das mit dem Abstandhalten immer wieder vergessen, und manchmal ging es schlicht nicht, etwa beim Ringetauschen und Kuchenanschneiden.“ Das Paar musste zudem einige Gäste wieder ausladen. Alle, die kamen, mussten Masken tragen. Begrüßt wurden die Gäste statt mit einer Umarmung mit der traditionellen Verbeugung und zusammengefalteten Händen.

Das indische Zoom-Hochzeitspaar empfiehlt seine Art des Festes Freunden und Bekannten durchaus weiter. „Corona kann uns doch nicht davon abhalten, unser Leben zu leben“, sagt die Braut. Zudem seien solche Hochzeiten für die Brautleute, ihre Familien und die Gäste, die keine weiten Reisen unternehmen müssten, günstiger. Ihr Mann fügt hinzu: „Eigentlich haben wir gedacht, dass die Hochzeit total langweilig wird und die Leute nur kurz reinschauen würden – aber alle blieben bis zum Schluss.“