Menschen stehen in der Abenddämmerung auf dem Marktplatz neben Blumen und Kerzen, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen und um zu Trauern. Bei Angriffen mitten in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt sind am 9. Oktober zwei Menschen erschossen worden.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

HalleHunderte Menschen versammelten sich am Donnerstagabend in Halle, um gemeinsam der Opfer zu gedenken. Allein zu einer Andacht in die nahe am Tatort gelegene Pauluskirche kamen so viele Menschen, dass nicht alle hineinpassten. Auf dem Marktplatz von Halle entstand ein Kerzen- und Blumenmeer, ebenso direkt an den Tatorten vor der Synagoge und an einem nahen Dönerladen. „Unfassbar“, „grausam“, „einfach nur schlimm“ murmelten die Menschen, die an den Orten um die Opfer trauerten.

Erstes Opfer war Autogrammjägerin aus Halle

Etwa 30 Meter von der Synagoge entfernt, wurde das erste Opfer des Anschlags getötet. Es handelt sich um Jana L. aus Halle. Die 40-Jährige war vielen Schlagerstars bekannt. Sie reiste wann immer sie konnte ihren Lieblings-Schlagersängern für ein Autogramm hinterher. Freunde und Bekannte sowie Sänger, deren Konzerte die Hallenserin regelmäßig besuchte, trauerten um die 40-Jährige. „Sie hatte ein reines Herz, war lebensfroh, freundlich. Sie konnte niemandem etwas antun“, sagte eine Frau der Mitteldeutschen Zeitung.

Am Nachmittag kamen Fans des heimischen Drittligisten Hallescher FC zur Synagoge, um zu trauern. Der erschossene Kevin S., das zweite Opfer, war Mitglied des Vereins - und der aktiven Fanszene. „Es ist ein Familienmitglied von uns gestorben, und das ist echt scheiße“, sagte Paul Violka, der mit dem 20-Jährigen befreundet war. „Er war ein fröhlicher Mensch, der bei 80 Prozent der HFC-Spiele in der Kurve stand“, sagte Nico Schmädicke, ein Freund des Opfers gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung. Daran erinnerte am Donnerstag auch der von Kevin so innig geliebte Fußballclub.

Nachdem in der Nacht bereits diverse Fangruppen bei Facebook öffentlich um „ein Mitglied der HFC-Familie“ trauerten, veröffentlichte der Verein am Tag nach der Bluttat ein Foto von vielen gekreuzten Händen mit dem Spruch „Nur zusammen“ und dem komplett in Schwarz-Weiß gehaltenen Vereinswappen.

Attentäter von Halle gesteht Tat und rechtsextremistisches Motiv

Der Todesschütze von Halle hat die Tat gestanden und auch ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv bestätigt. Der 27-jährige Stephan B. habe in dem mehrstündigen Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs am Donnerstagabend umfangreich ausgesagt. (don/mit dpa)