Berlin - Grünen-Chef Robert Habeck hat Union und SPD vorgeworfen, das Vertrauen der Bevölkerung in die Corona-Impfung zu beschädigen. „Gegenseitige Schuldzuweisungen, nachträgliches Besserwissen und Wahlkampfvorspiele sind nicht das, was wir brauchen“, sagte Habeck am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Die Impfungen sind der Weg aus der Pandemie, und das Vertrauen in die Impfung ist das nötige Kapital. Dieses Vertrauen wird gerade durch die regierungstragenden Parteien verspielt.“ Stattdessen müsse die volle Kraft und Konzentration darauf gehen, dass die Probleme behoben werden.

Habeck: Informationskampagne nötig, um Akzeptanz zu erhöhen

„Es ist entscheidend, dass Deutschland ausreichend Impfstoff zur Verfügung hat und die Impfungen koordiniert, zügig und konsequent ablaufen“, sagte der Grünen-Vorsitzende. „Die Produktionskapazitäten und die verfügbare Impfstoffmenge müssen schnellstmöglich erhöht werden, die Abwicklung muss laufen.“ Es brauche zudem eine breite Informations- und Aufklärungskampagne der Bundesregierung. „Es muss intensiv über die Impfstoffe und ihre Wirkung, Nebenwirkungen aufgeklärt werden, um die Akzeptanz zu erhöhen“, forderte Habeck. „Auch der Bedarf an Information und Transparenz zur Verteilung des Wirkstoffs ist groß.“

Auch die FDP, die die Regierung und namentlich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ähnlich wie die SPD attackiert, kritisierte den Koalitionsstreit. „Auf den Intensivstationen kämpfen die Ärzte um Menschenleben. Am Kabinettstisch kämpfen Union und SPD miteinander um die beste Presse“, twitterte ihr Parlamentsgeschäftsführer Marco Buschmann.

Der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hatte die Beschaffung des Impfstoffs als chaotisch bezeichnet. Wie die Bild berichtet, hat Vize-Kanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SDP) dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag einen mehrseitigen Fragenkatalog zur Organisation des Impfstoffs übergeben. Der CDU-Generalsekretär Paul Zimiak bezeichnete das auf Twitter als „billiges Manöver im Superwahljahr“.