Jeder Bundesbürger ab 16 Jahren bekommt in den nächsten Wochen und Monaten Post von seiner Krankenkasse, in der er gefragt wird, ob er zur Organspende bereit ist. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Neuregelung:

Muss ich mich künftig festlegen, ob ich nach meinem Tod ein Organ spenden will oder nicht?

Nein. Die Krankenkassen werden zwar verpflichtet, ihren Versicherten einen Organspendeausweis und Informationsmaterial zur Organ- und Gewebespende zu schicken. Die Bürger sollen damit unverbindlich aufgefordert werden, sich zu einer Organspende zu positionieren. Es wird aber niemand zu einer Antwort gezwungen. Die Angaben sind freiwillig. Das neue Gesetz setzt damit ausschließlich auf eine bessere Information der Bürger. Deshalb ist auch vorgesehen, dass die Behörden mit der Ausgabe von Dokumenten wie Personalausweis oder Reisepass einen Organspendeausweis und Infomaterial aushändigen.

Wer entscheidet, ob meine Organe gespendet werden, wenn ich keinen Spenderausweis habe?

Wenn zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen wird, werden die Angehörigen gefragt, ob die Organe des Verstorbenen für eine Organspende genutzt werden können. Das kann allerdings eine große Belastung für die Angehörigen sein. Deshalb werben die Kassen dafür, dass man sich beizeiten mit dem Thema befasst und es mit der Familie bespricht.

Wann bekomme ich Post?

Alle gesetzlichen wie privaten Kassen müssen bis November 2013 ihre Versicherten angeschrieben haben. Die Techniker Krankenkasse hat bereits angekündigt, sofort mit dem Versand des Materials zu beginnen. Die meisten Kassen halten sich aber sehr zum Unwillen der Regierung zurück und wollen erst in ein paar Monaten mit der Versendung der Unterlagen beginnen. Begründet wird dies mit den aktuellen Transplantationsskandalen. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) appellierte am Donnerstag an die Kassen, nicht länger mit der Aufklärung zu warten.

Werde ich automatisch zu einem Organspender, wenn ich einen Spenderausweis habe?

Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Lediglich in 1,8 Prozent aller Todesfälle wird ein Hirntod festgestellt. Der Hirntod ist aber Voraussetzung für die Organentnahme. Das heißt, Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm müssen irreparabel beschädigt sein, die Herz- und Kreislauffunktionen werden nur noch künstlich mit Hilfe von Maschinen aufrechterhalten. Außerdem müssen die Organe gesund sein. Immer mehr Menschen schließen in ihren Patientenverfügungen allerdings lebenserhaltende Maßnahmen im Falle eines Komas oder irreversibler Schäden aus. Für die Transplantationsmediziner ein Dilemma: Denn um die Organe zu retten, ist die lebenserhaltende Intensivtherapie notwendig.