Oroville/Sacramento - Nach tagelangen Regenfällen in Kalifornien/USA droht ein Hilfsüberlauf des Oroville-Staudamms zu brechen. Der größte Staudamm des Landes sei schon vor einigen Tagen an seine Belastungsgrenze gestoßen, berichtete die „Los Angeles Times“. Seit Sonntagabend (12.02.) läuft eine große Evakuierungsaktion, nachdem der Not-Abflusskanal starke Erosionsschäden aufgewiesen hatte.

Wie „CNN“ berichtet, wurden inzwischen knapp 190.000 Menschen evakuiert, die meisten davon aus der Stadt Oroville im Großraum Sacramento. Die Anlage liegt rund 125 Kilometer nördlich der kalifornischen Hauptstadt.

Um eine Katastrophe zu verhindern, leitete die zuständige Behörde zunächst größere Wassermassen wieder über den Hauptabfluss des Staudamms ab. Der beschädigte Kanal war erst in der vergangenen Woche zum Einsatz gekommen, zum ersten Mal in der Geschichte des 48 Jahre alten Staudamms. 

Katastrophenschutz ordnet Umgehung von Oroville an

Die Abteilung für Katastrophenschutz teilte mit, dass die Anwohner Orovilles Richtung Osten, Süden oder Westen der Stadt ausweichen sollen. 

Der Sheriff der Region Butte County ordnete die sofortige Evakuierung auch via Facebook an. „This ist not a drill" („Das ist keine Übung"), hieß es ausdrücklich in der Mitteilung. 

Teile Kaliforniens hatten in den zurückliegenden Tagen wegen heftiger Regenfälle unter Wasser gestanden. Bewohner wurden aus ihren Häusern gerettet, nachdem der Fluss San Lorenzo über die Ufer getreten war. Die Wassermassen überraschten den Bundesstaat nach Jahren der Dürre.

Oroville-Staudamm speichert über 4 Milliarden Kubikmeter Wasser

Der Damm staut den Lake Oroville und erzeugt Elektrizität. Außerdem versorgt er Zentral- und Süd-Kalifornien mit Trinkwasser. Nach der Errichtung im Jahre 1968 wurde einige Jahre später bekannt, dass die höchste Talsperre der USA auf einer geologischen Verwerfung gebaut wurde – und daher ernsthafte Gefahren bei starken Erdbeben birgt.

Mit 235 Metern Höhe und einer Länge von mehr als 2,3 Kilometern kann er rund 4,4 Milliarden Kubikmeter Wasser zurückhalten und ist damit sogar größer als der weltweit bekannte Hoover-Damm zwischen den US-Bundesstaaten Nevada und Arizona. (msc, mit dpa)