Oskar Lafontaine : Lafontaine verzichtet ein letztes Mal

Kann sein, dass Oskar Lafontaine sich am Sonnabend entschieden hat. Da stand nämlich in den Zeitungen, dass die Führung der Linken deren Wahlprogramm präsentieren wollte. Zugleich gab es jedoch mindestens ebenso viele Spekulationen darüber, ob er wieder für den Bundestag kandidiert. Vielleicht hat der 69-Jährige in dem Moment gemerkt, dass es nichts bringt, die Partei weiter hinzuhalten. Wie auch immer: Am Montag tat der ehemalige Parteivorsitzende und heutige Chef der saarländischen Landtagsfraktion kund, dass er bei der Wahl am 22. September nicht antritt. Er sehe keine „Realisierungschancen“ für ein Konzept zur Neuordnung der europäischen Finanzmärkte, gab Lafontaine als Hauptgrund für seine Entscheidung an. „Wenn man sich längere Zeit etwas aufbürdet, dann muss man ein Ziel haben.“

Eigentlich hatte sich Lafontaine bis zur Aufstellung der Landesliste am 5. Mai Zeit lassen wollen. Es gab Berichte, wonach er sich die ehemalige Tennis-Spielerin Claudia Kohde-Kilsch auf dem aussichtsreichen Platz zwei wünsche, was den Schluss zuließ, dass er Platz eins bevorzugte. Die Personalie Kohde-Kilsch ist in Saarbrücken indes umstritten, weil sie, so ein Insider, „nicht seit 100 Jahren Mitglied der Linken“ und politisch ein eher unbeschriebenes Blatt sei. Lafontaines Verzicht zum jetzigen Zeitpunkt kommt für sein Umfeld dennoch überraschend.

"Bedauerlich"

Der Vorsitzende der Linken in Nordrhein-Westfalen, Rüdiger Sagel, sagte: „Ich persönlich finde das bedauerlich. Doch ich nehme die Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis. Und ich gehe davon aus, dass Lafontaine uns im Wahlkampf trotzdem unterstützen wird.“ Parteichef Bernd Riexinger erklärte der Berliner Zeitung: „Ich bedauere Oskar Lafontaines Verzicht. Er steht anders als Jürgen Trittin oder Peer Steinbrück wirklich für eine Alternative zu Merkels Euro-Regime. Aber Oskar Lafontaine wird Wahlkampf für die Linke machen. Ich freue mich auf viele gemeinsame Auftritte.“

In der Fraktionsspitze hieß es, vermutlich habe der Umstand eine Rolle gespielt, dass Lafontaine mit der stellvertretenden Partei- und Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht liiert sei. Eine Kandidatur von beiden sei ein bisschen viel. Tatsächlich hätte Lafontaines Bewerbung Probleme aufgeworfen. So gilt sein Verhältnis zu Fraktionschef Gregor Gysi als gespannt. Im Duett hätten die beiden das bereits nominierte achtköpfige Spitzenteam endgültig überstrahlt. Zudem hätte Lafontaine unweigerlich die Statik der neuen Fraktion durcheinander gebracht. Wagenknecht würde dort gern Vorsitzende werden. Und ihr Gefährte wäre unweigerlich in den Konflikt um die Personalie hineingezogen worden.

Lafontaine hatte die Linke schon 2012 wochenlang darüber im Unklaren gelassen, ob er für den Parteivorsitz kandidiert. Sie muss jetzt endgültig ohne ihn auskommen.