Fort Groß Friedrichsburg, eine von 1683 bis 1717 bestehende kurbrandenburgische Kolonie in Westafrika im heutigen Ghana. Ausschnitt einer Zeichnung von 1688. 
Quelle: Wikimedia

BerlinSelbstverständlich soll ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden, dass Europäer über Jahrhunderte hinweg Menschen vom afrikanischen Kontinent versklavt, ausgebeutet und ermordet haben. Aber es ist falsch, wenn der sehr starke Anteil des Osmanischen Reiches und muslimisch-arabischer Sklavenjäger und -händler in Afrika einfach weggelogen wird. Denn erst so gelingt es, ein faktenwidriges muslimisch-afrikanisches Einheitsleiden zu konstruieren. Genau das macht die staatlich geförderte Initiative Berlin Postkolonial.

In deren Broschüren, Artikeln und Reden geht es stets um „Schwarze“, „Weiße“ und „Muslime“ – gerade so, als gebe es nicht zahllose weitere Hautfarben und religiöse Orientierungen. Da wird in aller Bipolarität behauptet: „Schwarz ist die emanzipatorische Selbstbezeichnung von Menschen“, wohingegen „weiß sein bedeutet, erhebliche Privilegien zu besitzen, unter anderem das, sich nicht mit Rassismus auseinandersetzen zu müssen“. Gilt das etwa auch für die recht hellhäutigen christlichen Armenier, die bis zum Völkermord in der Türkei lebten? Gilt das für Juden im deutsch besetzten Europa? Gab es nicht einen Jahrhunderte alten deutschen Rassismus gegenüber den slawischen Völkern? Rassismus wird niemand abschaffen können. Man kann nur versuchen, ihn niederzuhalten. Wer das will, darf sich nicht auf die Zuschreibungen schwarz, weiß und muslimisch beschränken.

Interessant ist der Beraterkreis, mit dem sich die sehr einseitig ausgerichteten postkolonialen Initiativen in Berlin schmücken. Vorneweg steht zum Beispiel Frau Professorin Iman Attia, die sich hauptsächlich mit „antimuslimischem Rassismus“ beschäftigt. Diesen Schwerpunkt teilt sie mit dem bezahlten „Promotor“ der antikolonialistischen Lobbygruppen, dem Deutschen Tahir Della. Daneben berät der Historiker Professor Sebastian Conrad die beschriebenen Produzenten geschichtlich aufgeblasener, bestenfalls halbwahrer Ideologie. Warum nur? Dann wäre da noch die Ethnologin Léontine Meijer-van Mensch. Sie stammt aus einer niederländischen Familie, die früher Sklavenhandel trieb. Das kann für eine Kenntnis der Materie sprechen. Als Direktorin der Staatlichen Ethnologischen Sammlungen Sachsens ist sie bislang nicht damit aufgefallen, die einst mit kolonialer Gewalt geraubten Kunst- und Alltagsobjekte ihrer Museen den Enteigneten zurückzugeben.

Eine spezielle Rolle spielt Paul Spies, der ebenfalls aus den Niederlanden stammende Direktor des Berliner Stadtmuseums. Er macht seine Sache fachlich gut und leitete zuvor das Stadtmuseum Amsterdam. Dort findet man viel zum „Goldenen Zeitalter“, aber fast nichts zum Kolonialismus. Erst in Berlin entdeckte Spies das Thema Kolonialismus als „Hauptaufgabe“. Hier sieht er sich als „Katalysator“ und will den Dekolonialisierern zeigen, „wie man das macht“. Zur Information: Preußen verschiffte über die winzige westafrikanische Kolonie Groß Friedrichsburg über 19.000 Sklaven Richtung Amerika und beendete den Handel 1717. Niederländer verschleppten mehr als eine Million Sklaven und stellten ihr Ekelgeschäft 1863 nur deshalb ein, weil die USA die Einfuhr weiterer Sklaven verboten hatten. Die Geschichte ist voller Gewalt, Widersprüche und Fortschritte. Man kann aus ihr einiges lernen – sofern man sie nicht als ideologischen Selbstbedienungsladen missbraucht.