Berlin - Marco Wanderwitz hat es wieder getan. Er hat seine Landsleute beschimpft. Nicht direkt, sondern auf seine Wanderwitz-Art. Er hat gesagt, dass er das mit der „Diktatursozialisierung“ nicht zurücknimmt, weil ihm kein besserer Begriff einfällt. Und er hat die ostdeutschen AfD-Wähler als rechtsradikal bezeichnet, als Menschen, „mit denen was nicht in Ordnung“ sei.

Es ist nicht falsch, was er sagt. Aber das Richtige ist es auch nicht. Wanderwitz wird damit eher das Gegenteil von dem erreichen, was er will: das Vertrauen in die Demokratie, in die Politik stärken. Denn sicher gibt es Rechtsradikale unter den AfD-Wählern. Aber wie fühlt sich jemand, der die Partei gewählt hat, weil er sich von den anderen Parteien im Stich gelassen fühlt, weil sich seine Hoffnungen der Wendezeit auf eine neue neue lebendige Demokratie im wiedervereinigten Deutschland nicht erfüllt haben, und der nun als Rechtsradikaler bezeichnet wird? Außerdem: Was bringt es, Ursachen fürs Wählerverhalten immer nur in einem Land zu suchen, das es schon lange nicht mehr gibt, wo niemand mehr die Verantwortung übernehmen kann, statt in den schmerzhaften und brutalen Umbrüchen der Nachwendezeit?

Erst wenn diese Zeit aufgearbeitet wird, so schonungslos wie die DDR-Diktatur, wenn Fördergelder für Studien zu diesem Teil der deutschen Geschichte fließen, wenn die Bundesrepublik beginnt, sich selbst infrage zu stellen, wird das Vertrauen in die Politik zurückkehren. Bis dahin sollte Marco Wanderwitz versuchen, einen Ton zu treffen, um sich mit seinen Landsleuten zu verständigen. Ansonsten ist er der falsche Mann im Amt.