Ralph Lauren ist es dann geworden, jener Designer, der stets so stolz auf die uramerikanische DNA seines gleichnamigen Labels verweist. Er hat Melania Trump für die Inauguration am Freitag eingekleidet, mit einem Kostüm in lichtem Himmelblau, ladylike umgelegtem Kelchkragen und farblich passenden Handschuhen.

„Sehr Jackie O.“ fanden das die Berichterstatter, was eine ziemliche Ehre ist, denn Jacqueline Kennedy, spätere Onassis, gilt als Stilikone in den USA, als Meisterin unangestrengter, moderner Eleganz, als Instanz gar. „What would Jackie wear?“, was würde Jackie anziehen – das ist geradezu zum Sprichwort geworden in Modekreisen.

Bekäme Donald Trumps Gattin von solchem Glanz auch nur einen Schimmer ab, dann wäre für sie schon viel gewonnen. Im Vorfeld der Vereidigung hatten nämlich sieben US-Designer verkündet, sie auf keinen Fall offiziell anziehen zu wollen, darunter Tom Ford und Marc Jacobs. Da es aus patriotischen Gründen gern gesehen wird, dass die First Lady sich im Lande einkleidet, hätte es also eng werden können.

Karl Lagerfeld geht leer aus

Karl Lagerfeld wäre dem Vernehmen nach als auswärtiger Kandidat gern eingesprungen. Doch Ralph Lauren hatte sich schon bewährt, als Melania Trump ihren Mann nach dem Wahlsieg auf die Bühne begleitet hatte. Der Overall mit der asymmetrischen Schulterlösung war elegant, die Farbe Weiß klassisch – doch wirkte das Ganze, wie eine gute Hausfrau an dieser Stelle wohl sagen würde, reichlich unpraktisch und entrückt.

Dass Weiß auch die Farbe der Suffragetten war, die für das Frauenwahlrecht kämpfen, liegt als Assoziation doch fern. In einer solchen Garderobe kommt man nirgendwo hin, sondern bewahrt wie ein gutes Mädchen Haltung – und vielleicht ist es dieses steife Posieren des ehemaligen Models Melania Trump, das man nach den Jahren mit Michelle Obama als ziemlich aus der Zeit gefallen empfindet.

Michelle Obama in Ochsenblut-Rot

Michelle Obama hat junge Designer wie Jason Wu berühmt gemacht; von ihm stammen die Ballkleider in Weiß und Rot, die sie bei den Amtseinführungsbällen trug. Rot, in einem etwas melancholischen Ochsenblut-Ton, ist es nun auch zum Abschied geworden: ein Tweedkleid mit in schwarzem Leder gepaspelten Kanten – klassisch, doch keine Robe, die am Fortkommen hindert. Und für sie erstaunlich zurückhaltend.

Denn kaum eine vermag ihre Begeisterung für Mode schlüssiger und selbstverständlicher einzusetzen als sie. Frauen, die zum Repräsentieren angehalten sind, bringen bis heute ihren Körper mehr oder weniger zum Verschwinden; die Kleidung als zweite Haut soll verhüllen, alle Reize unsichtbar machen. Michelle Obama hingegen hat das Kunststück vollbracht, sich modern, sportlich und sogar sexy zu kleiden, ohne an Respekt einzubüßen, ohne als verschwenderische Gattin geziehen zu werden wie ihre Vorgängerinnen im Amte.

Erinnerungen an die „Ärmel-Affäre“

Natürlich musste die Welt zunächst einmal von dieser Modernität überzeugt werden, denn Obamas erstes Amtsjahr war überschattet von der sogenannten „Ärmel-Affäre“. Er sei, hieß es damals in der New York Times, „auch deswegen Präsident geworden, um Michelle die Gelegenheit zu geben, ihren Bizeps zu zeigen“. Nein – gezeigt hat sie, dass Stärke schön ist.