Berlin - Wenn egozentrische Gerne-Große zu Form auflaufen, kommt selten Ersprießliches heraus. Boris Palmer, populärer grüner Bürgermeister von Tübingen, der zuletzt positiv mit wohlbedachten, bürgerfreundlichen Corona-Maßnahmen auffiel und auch seiner Partei wohltat, hat  nun - wieder einmal - extrem blöde Sprüche rausgehauen, bei einer Art Battle-Rap mit anderen adrenalingierigen Buben. Alles plemplem, man hätte es lieber nicht gelesen.

Aber, anders als bisher, hat das hirnlose N-Wort-Geschwatze Palmers Konsequenzen: Die Grünen streben ein Parteiausschlussverfahren an und kleben sich damit dasselbe Problem an die Hacken wie einst die SPD, die jahrelange quälende Kämpfe führte, bis sie 2020 schließlich Thilo Sarrazin, den Sozialdemokraten mit rassistischer Schlagseite, loswurde. 

Palmer traf heikle Punkte

Mit dem Fall Palmer drängt ein Grollen aus dem Grünen-Untergrund in die Ohren der Wählerschaft, das im Baerbock-Habeck-Wohlfühlsound fast verklungen war: Die Grünen sind eine Partei mit extremen Positionen außerhalb der bürgerliche Hauptströmung. Palmer rührt die Konflikte auf. Seine Kritik an der Berlin-Verwahrlosung traf einen heiklen Punkt, besonders in grün regierten Bezirken. PC-Sprech, Identity und Cancel Culture werden in manchen Grünen-Kreisen besessen und über das selbstverständlich Gebotene hinaus als elitäres Bessermenschentum zelebriert. Palmers Bemerkungen über die geschönte Darstellung einer diversen Gesellschaft in der Werbung der Deutschen Bahn darf man nach kurzem Blick auf die realen Zustände durchaus zutreffend finden.

Womöglich erweist sich der Fall Palmer als gut für die Demokratie, zumal vor den Wahlen: Wir sehen mehr von den Grünen und lernen, was wir von ihnen erwarten dürfen und was nicht.